Digitale Nomaden – Der Traum zwischen Laptop und Gaskocher

1.35 Kilogramm. Die Zahl schwebt mir unbeirrbar durch den Kopf: 1350 fette Gramm. Alle, die schon einmal ihr halbes Leben in einen knackvollen Rucksack stopften und ihn für eine längere Abenteuerreise schulterten, wissen, dass jedes verdammte Gramm zählt. Sie wissen, wie schwer die in die Knie zwingende Entscheidung zwischen dem vierten Paar Socken und dem kleinen flauschigen Handtuch im Backpack fällt. Doch ausgerechnet neben dem ultraleichten Mikrofaserstoff und lebensrettenden Sonnenschutz – in Reisegröße, versteht sich – soll noch ein kiloschwerer Laptop seine Berechtigung haben? 

Reisen vs. Social Media

Hartgesottene Backpackerinnen und Backpacker empfinden die batteriebetriebene Taschenlampe als das höchste der technischen Gefühle. In Kennerkreisen ist man sich einig: Auf Technik kann bei schweißtreibenden Bergwanderungen ohne Stromaussichten getrost verzichtet werden. Denn gleichgesetzt wird die lästige Laptop-Frage vor allem mit einem: der Generation Gefällt mir, Herz, Haha, Wow und Wütend. Vor das Auge schält sich das Vorurteil der klickgeilen Instagram-Schnuckis, die in einer jeden atemberaubenden Panoramakulisse nur das eine geniale Bild mit den meisten Herzen sehen.

Vorurteile? Come on!

Doch Vorurteil hin, Vorurteil her: So ein kleiner Laptop, der kann mehr, als euch in den sozialen Netzwerken glänzen zu lassen. Als reisende Freelancerin habe auch ich die eine oder andere schweißtreibende Bergwanderung hinter mir, in Hütten gehaust und mit Gaskochern gewerkelt – ob mit oder ohne Drang, der Außenwelt selbst das derbe Plumpsklo als romantisches Highlight in seinen schillerndsten Instagram-Facetten zu präsentieren. Die Krux an der Sache: Den Guide, die Übernachtung und das Essen dazu habe ich mir direkt unterwegs verdient.

Freelancer – mobile Söldnerinnen und Söldner

Ob kleinere Übersetzungsarbeiten, Text-, Design- oder Strategietüfteleien: Das digitale Nomadentum speist sich aus abenteuerlustigen Söldnerinnen und Söldnern, die auf ihr mobiles Können setzen und sich das Leben schönarbeiten. Es besteht aus Freelancern wie bald-dir und mir.
Die Möglichkeiten, zeit- und ortsunabhängig Geld zu verdienen, sind dabei so vielfältig wie die fantastischen Ziele, die sich uns offenbaren: Du möchtest einen Work and Travel-Aufenthalt in Neuseeland, Australien oder Kanada finanzieren? Du erkundest in deinen Semesterferien die exotischen Weiten Südamerikas? Du machst ein Auslandssemester im benachbarten Frankreich? Herrlich! Vielleicht planst auch du besser zusätzliches Technikgewicht ein, um deine Träume mit Hilfe spannender Freelancer-Tätigkeiten bis ins kleinste Reisedetail leben zu können.

Freiheit, ahoi!

In diesem Sinne stecken 1.35 Kilo Außenwelt, Verdienstmöglichkeit und Freiheit in meinem Backpack. Das zusätzliche Gewicht auf meinen Schultern nimmt mir zugleich die Last: indem ich mich auf Reisen eben nicht auf die saisonalen Arbeiten oder den zuvor eisern angesparten Puffer verlassen muss, sondern unterwegs immer schön am Ball der flüssigen Mittel bleibe. Und den fantastischen Panoramablick? Den genieße ich zusammen mit den Instagram-Schnuckis und lasse die Technik warm und sicher in meinem Rucksack verstaut. Schließlich liegt es an einer jeden Person selbst, wie exzessiv sie die 1350 Gramm auf dem Rücken nutzt.

Maxi

Maxi Wuestenberg

Heureka! Ich bin Maxi. Schon zu Studienzeiten übernahm ich Freelancer-Tätigkeiten und zog als digitale Nomadin durch die Welt. Mittlerweile erarbeite ich als Projektmanagerin die Digitalstrategien für namhafte Medienmarken. Meine Schwerpunkte sind das Texten und Aufbauen von Reichweitenstrategien.

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