Ausfüllhilfe: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Auf dem Weg in Deine Selbständigkeit musst Du einige bürokratische Hürden meistern. Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist eine dieser Hürden. Mit seinen knapp acht Seiten wirkt er zunächst abschreckend - dank unserer Hinweise wirst Du jedoch sehen, dass viele der Punkte gar nicht auf Dich zutreffen und einfach übersprungen werden können. Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist somit schneller ausgefüllt als zunächst angenommen.*

Die eingeklammerte Nummerierung unter den nachfolgenden Punkten beziehen sich auf die Zeilen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung, wie Du ihn auf der Internetseite des Bundesministeriums der Finanzen findest. Es gibt auch die Möglichkeit, den Fragebogen als 8-seitiges PDF-Formular direkt online auszufüllen und ihn anschließend als PDF für den Druck zu exportieren.

  

Und so füllst Du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus …

Punkt (1): Trage hier den Namen Deines zuständigen Finanzamts ein.

Punkt (2): In der Regel kennst Du Deine Steuernummer noch nicht, da Du diese erst nach Abgabe des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung vom Finanzamt erhältst. Dieses Feld kann also leer bleiben. Achtung: Die Steuernummer nicht mit der SteuerID verwechseln – diese findet sich z. B. auch auf Lohnsteuerbescheiden (manchmal unter der Bezeichnung ID-Nr.) und ist 11-stellig, z. B. 12 345 678 911. Die SteuerID muss erst unter Pukt 12 eingetragen werden.

Punkt (3): Setze einen Haken bei „Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit …“ 

Punkte (5-12): Hier trägst Du im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung Angaben zu Deiner Person wie Name, Adresse und Geburtsdatum oder Religion ein. Im Feld „Identifikationsnummer“ (Punkt 12) trägst Du Deine SteuerID ein. Diese hat Die Dein Finanzamt vor geraumer Zeit per Post zugestellt. Falls vorhanden, kannst Du die SteuerID auch einer alten Lohnsteuerbescheinigung entnehmen. Findest Du die SteuerID nicht, so kannst Du sie ohne Probleme telefonisch bei Deinem Finanzamt erfragen.

Punkte (13-20): Bist Du verheiratet, so musst Du dieselben Angaben auch für Deinen/Deine Ehegatten/Ehegattin angeben.

Punkte (21-24): Trage hier Deine Kontaktdaten ein. In der Regel genügt es eine Telefonnummer anzugeben, unter der Dich das Finanzamt bei Rückfragen erreichen kann.

Punkte (25-26): Die Angabe der Tätigkeit(en) entscheided, ob Du vom Finanzamt als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft wirst. Bist Du Dir nicht sicher, was du hier eintragen sollst, empfehlen wir Dir unseren Blogeintrag "Freiberufler oder Gewerbe?" zu studieren. Grundsätzlich empfiehlt es sich, an dieser Stelle alle potentiellen Tätigkeiten/Bereiche einzutragen, in denen Du planst, selbstständig zu arbeiten.

Punkte (27-30): Unter dem Punkt "Bankverbindung für Steuererstattungen" gibst Du Deine IBAN an. Die IBAN (international bank account number) findest Du in der Regel auf Deinen Kontoauszügen. Die Punkte 28 und 29 musst Du nur ausfüllen, wenn Du ein Konto im Ausland besitzt. Setze unter Punkt 30 bei Kontoinhaber einen Haken bei „lt. Zeile 5“, wenn das Konto auf Deinen Namen angemeldet ist oder auf „lt. Zeile 13“, wenn das Konto auf Deinen Ehepartner angemeldet ist. Ist das Konto auf eine andere Person angemeldet, so trage den Namen dieser Person unter „Ggf. abweichende(r) Kontoinhaber“ ein und setzte keinen Haken. 

Punkte (31-38): Diese Punkte müssen nur ausgefüllt werden, wenn Du die verschiedenen Steuererstattungen – also die Personensteuererstattungen (z. B. Einkommensteuer) und die Betriebssteuererstattungen (z. B. Umsatzsteuer) – auf seperate Konten erhalten möchtest, was zu Beginn Deiner Freelancer-Karriere eher eine Besonderheit wäre.

Punkt (39): Um den Zahlungsverkehr zu vereinfachen, empfehlen wir Dir, an diesem Punkt der steuerlichen Erfassung dem SEPA-Lastschriftverfahren zuzustimmen. Achtung: Nicht vergessen, das entsprechende Formular mit dem ausgefüllten Fragebogen an das zuständige Finanzamt zu übermitteln.

Punkte (40-48): Wirst Du von einem Steuerberater beraten, so trägst Du hier die Kontaktdaten Deines Steuerberaters ein. Wenn nicht, dann nicht.

Punkte (49-59): Wenn Du keinen Steuerberater hast, kannst Du diese Zeilen leer lassen. Besitzt Du einen und möchtest, dass das Finanzamt Deinen Steuerberater kontaktiert, so setze einen Haken bei „Die unter 1.6 angegebene steuerliche Beratung ist empfangsbevollmächtigt. Die gesonderte Vollmacht ist beigefügt“. Willst Du, dass das Finanzamt eine andere Person kontaktiert, dann trägst Du die Daten dieser Person unter den Punkten (51-57) ein. Setze unter Punkt 58 „Die gesonderte  Vollmacht ist beigefügt“ einen Haken. Erklärst Du Deinen Steuerberater oder eine andere Person als empfangsbevollmächtigt, dann musst Du dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung eine Vollmacht beilegen. Einen Vordruck für eine solche Vollmacht findest du ebenfalls auf der Seite des Bundesministeriums der Finanzen.

Punkte (60-64): Wenn Du in den letzten 12 Monaten umgezogen bist, dann trage hier Deine alte Anschrift ein.

Punkte (65-66): In der Regel in Zeile 65 "Nein" ankreuzen.

Punkte (67-77): Unter dem Punkt „Anschrift des Unternehmens“ trägst Du die Adresse ein, unter der Dich das Finanzamt erreicht. Da Du sicherlich noch kein eigenes Büro hast, trägst Du hier Deine persönliche Anschrift ein.

Punkt (78): Trage hier das Startdatum Deiner freiberuflichen Tätigkeit ein.

Punkte (79-90): Wie nehmen an, dass Du als Gründer keine Betriebsstätten unterhältst - Du kannst daher unter Punkt 80 einen Haken bei „nein“ setzen.

Punkt (91 - 95): Als Freiberufler musst Du Dich nicht ins Handelsregister eintragen lassen. Du kannst in diesem Fall einen Haken bei „nein“ setzen. Wenn Du unter die Gewerbetreibenden fällst, musst Du Dich hingegen beim Handelsregister registrieren – kreuze "Eine Eintragung ist beabsichtigt" an und melde Dich, wenn nicht schon geschehen, beim Handelsregister.

Punkte (96-104): Da Du Deine Selbständigkeit gerade erst anmeldest, kannst Du einen Haken bei „Neugründung zum“ setzen und dahinter das Datum angeben, das Du auch bei „Beginn der Tätigkeit“ angegeben hast.

Punkte (105-109): Wir gehen davon aus, dass Du Deine Selbständigkeit mit dieser Anmeldung neu beginnst. Du kannst daher einen Haken bei „nein“ setzen. Warst Du zuvor schon freiberuflich oder gewerblich tätig, dann setzte einen Haken bei „ja“ und gebe in den Punkten 105-109 Daten zu dieser Tätigkeit an.

Punkte (110-116): Hier gibst Du eine Prognose zu den Einkünften in diesem und im Folgejahr für Dich und ggf. Deine/n Ehegattin/Ehegatten an. Einnahmen, die Du als Arbeitnehmer in Form eines tatsächlichen Lohns, den Dir Dein Arbeitgeber zahlt, verdienst, trägst Du unter Punkt 113 „Nichtselbständiger Arbeit“ ein. Erwartete Einkünfte aus Deiner Tätigkeit als Freiberufler bzw. Gewerbetreibender trägst Du unter Zeile 112 „Selbständiger Arbeit“ ein. Hast Du hier keine richtigen Vorstellungen, wie hoch Deine Einkünfte sein werden, dann kalkuliere hier erst einmal vorsichtig. Plane z.B. erst einmal mit 500 € pro Monat, und multipliziere diesen Betrag dann für das laufende Jahr mit der Anzahl der Restmonate des laufendes Jahres, und für das kommende Jahr mit 12. Bevor Du diese Punkte ausfüllst, empfehlen wir Dir, zunächst unseren Blogeintrag zum Thema Steuern (Kleinunternehmerregelung) zu lesen.

Punkt (117): Sofern Du bei der Prognose Deiner Einkünfte unter „Nichtselbständiger Arbeit“ Angaben gemacht hast, trägst Du hier Deine voraussichtlichen Sonderausgaben an. Unter Sonderausgaben werden im Einkommensteuerrecht eine Reihe unterschiedlicher Ausgaben verstanden. Genau kannst Du diese unter § 10 ff EStG nachlesen. Insbesondere zählen hierzu Vorsorgeaufwendungen (also alle privaten Versicherungen zur eigenen Person wie: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung).

Punkt (118): Als Steuerabzugsbeträge gelten beispielsweise die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag oder die Kirchensteuer, die von Deinem Arbeitgeber einbehalten wird.

Punkt (119-122): Wir gehen davon aus, dass Du Deine Selbstständigkeit mit dieser Anmeldung beginnst. Du kannst daher unter dem Punkt "Angaben zur Gewinnermittlung" einen Haken bei "Einnahmenüberschussrechnung" setzen. Informationen zum Thema Einnahmenüberschussrechnung findest Du in unserem Blogeintrag zum Thema Steuern.

Punkt (123): Im Normalfall entspricht Dein Wirtschaftsjahr als Freelancer dem Kalenderjahr, weshalb Du diesen Punkt mit „nein“ beantworten kannst.

Punkt (124): Da Du als Freelancer vermutlich keine Bauleistungen erbringen wirst, kannst Du diesen Punkt auslassen.

Punkte (125-131): Da wir davon ausgehen, dass Du zu Beginn Deiner selbständigen Tätigkeit keine Angestellten hast, kannst Du diese Punkte überspringen.

Punkt (132): Dieser Punkt ist sehr wichtig, da von den Umsatzprognosen, die Du hier einträgst, Deine umsatzsteuerliche Erfassung abhängt. Die Umsatzprognose sollte den erwarteten Einkünften, die Du unter Punkt 112 angegeben hast, entsprechen. Lese Dir bevor Du diese Punkte ausfüllst, unseren Blogeintrag zum Thema Steuern (Kleinunternehmerregelung) durch.

Punkt (133): Wir gehen davon aus, das Du neu gründest und kein bestehendes Unternehmen erworben hast und weiterführst. Du kannst diesen Punkt daher mit "Nein" beantworten.

Punkte (134-135): Hier entscheidest Du, ob Du die Kleinunternehmerregelung oder die Regelbesteuerung in Anspruch nimmst. Wie schon unter Punkt 132 erwähnt, empfehlen wir Dir vor dem Ausfüllen dieser Punkte dringend, unseren Blogeintrag zum Thema Steuern zu lesen.

Punkte (136-145): Diese Punkte sollten Dich als Neugründer nicht betreffen. Du kannst sie daher auslassen.

Punkte (146-148): Die von uns vermittelten Aufträge unterliegen in der Regel dem allgemeinen Steuersatz von 19 %. Und auch auf andere Aufträge, die Du annimmst, wird vermutlich lediglich der allgemeine Steuersatz Anwendung finden. Du kannst diese Punkte daher mit „nein“ beantworten.

Punkte (149–153): Hast Du Dich unter Punkt 134 für die Kleinunternehmerregelung entschieden, so kannst Du diese Punkte auslassen. Hast Du dich hingegen für die Regelbesteuerung entschieden, empfehlen wir Dir, die Wahl der Istversteuerung. Istversteuerung bedeutet hier, dass Du die Umsatzsteuer erst dann abführst, wenn Du sie auch tatsächlich vom Kunden, durch das Bezahlen der Rechnung, erhalten hast. Im Gegensatz zur Sollversteuerung, bei der Du die Umsatzsteuer bereits nach Rechnungsstellung, unabhängig vom tatsächlichen Zahlungseingang, abführen musst, entsteht Dir bei der Istversteuerung kein Liquiditätsnachteil. Da die Istbesteuerung genau wie die Einnahmenüberschussrechnung auf den Zeitpunkt der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben abstellt, kannst Du die für die Umsatzsteuervoranmeldung erforderlichen Angaben direkt aus Deiner Einnahmenüberschussrechnung ablesen. Als Begründung für die Istbesteuerung (Punkte 151-153), kannst Du Punkt 153 ankreuzen.

Punkte (154-156): Wir nehmen an, dass Du als Gründer zunächst nur inländische Kunden bedienen wirst. Daher kannst Du diese Punkte unausgefüllt lassen.

Punkt (157-159): Dieser Punkt trifft auf Dich als Freelancer im Allgemeinen nicht zu und kann daher ausgelassen werden.

Punkt (160): Dieser Punkt trifft auf Dich in der Regel ebenfalls nicht zu.

Punkte (161-166): Hast Du Dich mit anderen Freiberuflern zusammengeschlossen und eine Personengesellschaft, wie beispielsweise eine GbR, gegründet, so musst Du hier Angaben zu dieser Gesellschaft machen. Weiterhin musst Du dem Fragenbogen eine Kopie Eures Gesellschaftsvertrages beilegen.

Punkt (167): Vergiss nicht den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu unterschreiben.

Punkte (168-174): Hier kreuzt Du an, welche Anlagen du dem Fragebogen beilegst.

 

* Die Inhalte dieses Blogeintrags haben wir mit großer Sorgfalt erstellt (Aktualisierung am 15.11.2018). Trotzdem übernehmen wir keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Eine Haftung für Schäden, die aufgrund der hier angebotenen Informationen entstehen, übernehmen wir nicht.