Netzwerken im Studium – Dos und Don'ts

Den Begriff Netzwerken hast du zwar schon mal gehört, dachtest dabei aber immer nur an angespannte Anzugträger? Netzwerken bringt dir im Studium eh nichts? Du machst das schon allein? Stimmt nicht! Wieso ein funktionierendes Netzwerk auch für dich wichtig ist und welche Dos und Don’ts du beachten solltest, um aus deinen Kontakten ein karriereförderndes Netzwerk zu machen, erfährst du hier.

Auf ein Netz aus beruflichen Kontakten zurückgreifen zu können, spart dir längerfristig viel Zeit und Nerven – und das nicht erst nach dem Abschluss. Praktikanten- und Traineestellen, Studentenjobs oder Freelance-Aufträge werden bevorzugt auf Empfehlung oder an persönliche Kontakte vergeben. Berufliche Kontakte erleichtern dir aber nicht nur die Jobsuche, sondern ermöglichen dir, dich mit Menschen aus deiner Branche auszutauschen oder Mentoren zu treffen. Praktisch also, wenn du dir bereits dann ein Netzwerk aufgebaut hast, solange du es noch nicht wirklich brauchst – im Studium.

Vor allem als Studienanfänger lernst du ständig neue Leute kennen: Mitbewohner, Kommilitonen, Dozenten. Du hast während deines Studiums die Möglichkeit, Vorträge und Veranstaltungen zu besuchen, internationale Kontakte aufzubauen (beispielsweise über AIESEC) oder selbst Zeit im Ausland zu verbringen. Dein Kontaktgeflecht scheint automatisch zu wachsen. Deshalb solltest du deine Studienzeit nutzen, um Kontakte zu pflegen und um später darauf zurückzugreifen. Und auch, um selbst für andere eine Hilfe zu sein.

Interessante Menschen kannst du überall kennenlernen, du musst dich nur trauen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Dabei spielen vermeintliche Hierarchieebenen kaum eine Rolle, wenn du anderen höflich und respektvoll gegenübertrittst. Möglichkeiten, um deinen beruflichen Bekanntenkreis zu erweitern, gibt es einige: Events von Unternehmen, Messen oder Kongresse laden auch dich herzlich ein, Kontakte zu knüpfen, mehr über neue Innovationen, Branchenentwicklungen und -möglichkeiten zu lernen. Du kannst dich darin üben, offen und in einem beruflichen Rahmen auf andere Menschen zuzugehen und über dich selbst hinauswachsen. Auch Plattformen wie XING, LinkedIn oder mein persönlicher Favorit Freelance Junior bieten die Möglichkeit, mit Firmen und Privatpersonen in Kontakt zu treten, um sich gegenseitig beruflich zu unterstützen. 

Also: Ausreden wie „Ich bin doch noch Student, ich brauche das nicht“ oder „Ich weiß nicht, wie das geht“ zählen ab jetzt nicht mehr. Und wenn du die folgenden Tipps befolgst, kann gar nichts mehr schief gehen im Networking-Prozess. 

 

Dos

01.) Das Ziel ist der Weg

Bevor du startest, solltest du dir überlegen, in welche Richtung es gehen soll. Du brauchst dafür keinen ausgeklügelten Plan. Als Student hast du (noch) die Möglichkeit, dich umzusehen und deine Fähigkeiten zu erproben. Eine ungefähre Richtung solltest du aber haben, um dich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren und nicht zu viel Zeit und Energie in berufliche Kontakte zu investieren, die dich nicht weiterbringen. Richtiges Netzwerken kann sehr schnell sehr zeitintensiv werden! Daher sollten deine Prioritäten vorher fest stehen.

Frage dich, welche Themengebiete dich besonders interessieren, an was du leidenschaftlich gerne arbeitest, welche Art von Menschen oder Firmen dich begeistern oder welche Vorstellung du von deiner beruflichen Laufbahn hast.

Wenn du weißt, wo die Reise hingeht, fällt es dir viel leichter, Menschen in dein Netzwerk zu integrieren, die ähnliche Ziele haben wie du oder bereits dort sind, wo du sein möchtest. Ein ungefähres Ziel vor Augen hilft dir bei der Orientierung, mit wem du zusammenarbeiten möchtest. Eine Richtlinie macht dich authentisch und hilft dir, du selbst zu bleiben.

 

02.) Vitamin F nutzen

Das Gute am Netzwerken –  du musst nicht bei Null anfangen. Du musst auch nicht von einer Berufsveranstaltung zur nächsten hetzen, um Kontakte zu knüpfen. Jeder Mensch, auch du, verfügt bereits über ein Netzwerk von potenziellen Förderern: deine Familie. Je älter du wirst, desto mehr Menschen lernst du kennen. Auf alle diese Kontakte kannst du jetzt zurückgreifen: Freunde, Nachbarn, Vereins- und Teamkollegen, Dozenten, …

Höre dich um, frage nach, welche beruflichen Erfahrungen deine Bekannten gemacht haben und vergleiche das Gelernte mit deinen eigenen Zielen.
Achte dabei aber darauf, nicht zu verkrampft an die Sache heranzugehen. Netzwerken soll auch Spaß machen. Du wirst dich wundern, wie viele Kontakte aus wie vielen verschiedenen Branchen du bereits besitzt.

 

03.) Trau dich

Fremde Menschen kennenzulernen ist inspirierend und kann dir beim Aufbau deines Netzwerks ungemein weiterhelfen. Zugegeben, Unbekannte das erste Mal anzusprechen kostet Überwindung. Die Angst, abgelehnt zu werden, kennt jeder. Aber initiativ ein interessantes Gespräch zu eröffnen, kannst du mit ein bisschen Übung lernen.

Wenn es dir schwer fällt, die richtigen Worte zur Gesprächseröffnung zu finden, bereite einige passende Einstiegsfragen vor. Beispielsweise: Wie hat dir/Ihnen der Vortrag gefallen? Oder: Was hat dich/Sie inspiriert, XY zu tun?

Versuche wenig über dich selbst zu sprechen. Wenn du sprichst, kannst du nicht zuhören. Wenn du nicht zuhörst, kannst du nichts lernen. Vermittle deinem Gesprächspartner das Gefühl, dass dich interessiert, was er zu sagen hat. Stelle Fragen, wenn du mehr über ein Thema wissen möchtest. Nur so kannst du herausfinden, ob der Andere ähnliche Ziele und Interessen hat wie du.

Übrigens: Vorbereitung ist erlaubt! Solltest du einen Vortrag, eine Messe oder Studententage besuchen, kannst du im Vorhinein bereits recherchieren, wer von den Anwesenden  deine Interessen am Besten vertritt oder mit wem du schon immer einmal schnacken wolltest.

Achte zunächst auf eine positive Körpersprache. Stehe aufrecht und sicher, halte Blickkontakt mit deinem Gesprächspartner und lächle, das wirkt selbstbewusst und sympathisch. 

 

04.) Lernen, lernen, lernen

Versuche so viel wie möglich von anderen zu lernen. Das funktioniert am besten durch aktive Kommunikation. Tausche dich regelmäßig mit Menschen aus, die ähnliche Ziele verfolgen wie du. Oft habt ihr nahezu die gleichen Probleme, einen gute Lösungsvorschlag oder heiße Tipps füreinander. Helft euch gegenseitig, Konkurrenzdenken hat im Networking-Prozess keinen Platz.

Besonders lehrreich kann auch die Orientierung an Vorbildern oder Mentoren sein. Suche den Kontakt zu Menschen, die erreicht haben, was du anstrebst. Scheue dich nicht, Fragen zu stellen und Notizen zu machen. Netzwerken kostet viel Energie, Konzentration und Zeit. Wähle lieber wenige Netzwerkpartner aus, von denen du am meisten lernen kannst, um optimal von deinen Kontakten zu profitieren.

05.) Bestehenden Netzwerken beitreten

Als studentischer Freelancer hast du außerdem die Möglichkeit, über die Arbeit in Coworking-Spaces neue Kontakte zu anderen Freelancern und Startups zu knüpfen. Spannend ist auch, dass einige Coworking-Spaces über die Arbeitsplätze hinaus hilfreiche Services wie Mentoring oder Community-Events anbieten. Hierzu gehören das in Hamburg und Berlin ansässige betahaus oder die FriendsFactory aus München.

 

Don’ts

01.) Screenwork

Kontakte nur über das Internet zu pflegen ist nützlich, reicht aber nicht aus. Um von deinem Netzwerk beruflich zu profitieren, musst du deinen Partnern face to face gegenüber treten. Ziel des Netzwerkprozesses ist und bleibt die Erschließung von beruflichen Möglichkeiten, neuen Aufgaben oder Insiderinformationen. Diese werden nur aufgrund einer zwischenmenschlichen Vertrauensbasis weitergegeben, die sich durch persönlichen Kontakt generiert.

Nutze Veranstaltungen mit relevanten Themen, um Bekanntschaften zu vertiefen. Du kannst auch selbst Treffen organisieren oder durch Veranstaltungen von und mit anderen Studierenden Kontakte pflegen.

02.) Weniger ist mehr

Damit du nicht den Überblick verlierst, solltest du deine Netzwerktätigkeit auf wenige, ausgewählte Kontakte beschränken, mit denen du dich dann besonders intensiv austauschen kannst. Dadurch bleibst du diesen Menschen dauerhaft im Gedächtnis und sie erlangen Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten. Du behältst leichter den Überblick und kannst dich besser auf deine Ziele konzentrieren, denn richtiges Netzwerken kann schnell sehr zeitintensiv werden.

03.) Wie du mir, so ich dir

Netzwerken ist kein Handel von wechselseitigen Leistungen. In einem funktionierenden Netzwerk profitieren alle voneinander, tauschen Erfahrungen und Lösungen aus. Gebotene und angenommene Hilfeleistungen sind nicht zwangsläufig reziprok, sondern basieren eher auf einem generellen Tauschsystem. Wenn du einer Person Hilfe leistest, ist sie nicht verpflichtet, dir zu helfen. Aber in einem funktionierenden Netzwerk wird dir sicherlich jemand (anderes) helfen.

Auch Konkurrenzdenken ist im Networking-Prozess fehlgeleitet. Besser als gegeneinander zu arbeiten funktioniert das Phänomen des sich gegenseitig „Hochlobens“. Wenn jeder über seine Mitstreiter nur positiv spricht, profitieren am Ende alle davon. Außerdem arbeitet niemand gerne mit Schleimern oder Intriganten zusammen, denn oft haben persönliche Sympathien bei der Vergabe von Jobs größeres Gewicht als die tatsächliche Arbeitsleistung.

Grundlegend für eine harmonische, produktive Zusammenarbeit ist immer der respektvolle Umgang miteinander.


04.) I just came to say hello...

... um mich dann nie wieder zu melden. Ein lebendiges Netzwerk beruht ausschließlich auf aktiver Kommunikation. Solltest du zufällig jemanden kennengelernt haben, trau dich innerhalb von ein paar Tagen nachzuhaken. Schreibe eine E-Mail, dass dich das Treffen gefreut hat oder beziehe dich auf Ideen, die ihr in eurem gemeinsamen Gespräch hattet. Wenn sich die Möglichkeit bietet, kannst du auch unverbindliche Meetings wie ein gemeinsames Mittagessen vorschlagen oder deine Kontakte auf relevanten Messen und Veranstaltungen persönlich weiter ausbauen.

Ermögliche anderen eine leichte Kontaktaufnahme zu dir. Dafür eignen sich übersichtliche Profile auf Plattformen, ein eigener Blog oder die analoge Variante - die Visitenkarte.

Stephanie

Stephanie Schmid

Als bibliophile Germanistin, wortfreudige Werbetexterin und unverbesserliche Rechercheperfektionistin – wodurch alles manchmal ein klein wenig länger dauert – schreibt Stephy für uns über die essentiellen Dinge im Leben eines Freelancers: vom Recht über die Ordnung bis hin zu den alltäglichen Freiberufler-Fragen.