Kann ich auch privat Rechnungen schreiben?

Wir Freelancer wissen, dass wir eine Steuernummer brauchen, um Leistungen erbringen und Rechnungen schreiben zu dürfen. Dass wir sogar einen Gewerbeschein brauchen, sofern unsere Tätigkeit nicht zu den freien Berufen gehört. Aber das lassen wir an dieser Stelle mal außen vor. Jedenfalls müssten wir – sobald wir eine gewinnorientierte Leistung erbringen möchten – zum Finanzamt gehen, alle möglichen Fragen beantworten, Umsatzschätzungen machen und dann ein bisschen warten, bis der Brief mit der Steuernummer im Briefkasten liegt. Aber nicht immer.

Gehen wir nämlich mal davon aus, dass Du für einen guten Freund mal ein Logodesign entwirfst, aber das nur als einmalige Sache und nicht als richtige freiberufliche Tätigkeit zum nebenbei-Geldverdienen. In diesem Fall darfst Du auch ganz einfach privat eine Rechnung schreiben. Ohne Steuernummer, ohne Behördenhickhack. Wie das funktioniert, erkläre ich hier.

 

 

Wann ist eine Steuernummer erst wirklich erforderlich?

Um es kurz zu machen, musst Du nur dann eine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt oder eine gewerbliche Tätigkeit beim Gewerbeamt anmelden, wenn Du diese Tätigkeit langfristig, regelmäßig und gewinnorientiert verfolgst. Planst Du also, nebenberuflich oder gar hauptberuflich als Grafikdesigner, Fotograf oder Texter Geld zu verdienen, kommst Du an einer Meldung beim zuständigen Amt und an einer Steuernummer nicht vorbei. Wenn Du aber von einem guten Kumpel gefragt wirst, ob Du nicht mal dies und jenes für ihn machen kannst, geht es auch ohne. Eben solange, wie es nicht um den regelmäßigen Einsatz mit skalierbaren Gewinnen geht. Die Finanzämter sprechen in ihrem Fachjargon von einem unternehmerischen Interesse.

 

 

Welche Freibeträge gelten bei Privatrechnungen?

Liegt so ein unternehmerisches Interesse also nicht vor und handelt es sich wirklich um eine einmalige oder sehr unregelmäßige Sache, kommst Du am Finanzamt vorbei. Zumindest bis zur Steuererklärung. Denn dass Du außer der Reihe Einkommen erzielt und privat Rechnungen geschrieben hast, solltest Du auf jeden Fall angeben. Alles andere kann man als Täuschungsversuch und somit als vorsätzliche Schwarzarbeit werten. Und das hätte bekanntlich unangenehme Konsequenzen.

Vielleicht fragst Du Dich also, wozu Du den kleinen Job für 200 Euro dann überhaupt machst, wenn das Finanzamt am Ende wieder zuschlägt und kaum etwas übrig bleibt. Dahingehend kannst Du aber aufatmen. Denn für Privatrechnungen gilt, dass das Einkommen hieraus erst ab einem jährlichen Gewinn von 730 Euro versteuert werden muss. Und das auch nur, wenn es abzüglich Werbungskosten insgesamt den Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro überschreitet. Sofern Du als Student gar nicht so ein großes Einkommen hast und nicht über den Grundfreibetrag hinauskommst, bist Du grundsätzlich steuerbefreit. Ganz egal, aus welchen Quellen das Einkommen konkret stammt.

 

 

Warum eine private Rechnung schreiben?

  • Sauberer Abschluss einer privaten Dienstleistung oder eines Verkaufs
  • Nachweisdokument für sich selbst und das Finanzamt
  • Auftraggeber kann die Kosten absetzen

 

 

Wie kann ich privat eine Rechnung schreiben?

Eine Privatrechnung unterscheidet sich im Wesentlichen kaum von normalen Gewerberechnungen. Du kannst sie individuell gestalten, solange Du aber bestimmte Pflichtangaben beachtest. Diese Pflichtangaben sind folgende: 

  1. Dein Name und Deine Anschrift
  2. Der Name und die Anschrift des Auftraggebers (ggf. auch Firmenadresse)
  3. Das Ausstattungsdatum der privaten Rechnung
  4. Der Leistungszeitraum
  5. Der Leistungsumfang (Beschreibung, Menge, Einzelpreis, Gesamtpreis)
  6. Hinweis auf die Privatdienstleistung und dass die Rechnung umsatzsteuerfrei ist
  7. Die Zahlungsfrist und Deine Bankverbindung

 

Warum keine Umsatzsteuer? Tatsächlich darf auf Privatrechnungen keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden, weil Du als Privatperson nicht umsatzsteuerpflichtig bist. Der Auftraggeber kann jedoch trotzdem auf die Umsatzsteuer bestehen, damit er diese als Vorsteuer bei sich abziehen kann. In dem Fall solltest Du Dich ans Finanzamt wenden und erfragen, wie Du am besten verfährst. Weist Du die Umsatzsteuer auf Deiner Privatrechnung aus, musst Du sie anschließend in jedem Fall ans Finanzamt abführen.

Tipp für den Hinweis auf Privatdienstleistung: "Bei den oben angeführten Leistungen handelt es sich um privat durchgeführte Dienstleistungen. Es wird deswegen und auch mit Berücksichtigung der Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) keine Umsatzsteuer erhoben."

Du kannst schlussendlich also aufatmen. Wenn es nur um einmalige Freundschaftsleistungen oder dergleichen geht, brauchst Du keine extra Genehmigung oder Steuernummer, aber solltest darauf achten, dass Du bei Deiner Privatrechnung regelkonform gemäß der hier vorgestellten Richtlinien vorgehst.

Eike Kewitz

Eike Kewitz ist seit Mitte 2013 als Texter & Redakteur für Online-Content freiberuflich in Hamburg tätig und hat sich eine klare Mission aufs Segel geschrieben: 'Inhalte mit Tiefgang' zu erschaffen.

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