Sympathische Bewerbungen schreiben: So kriegst Du jeden Auftrag

“Der erste Eindruck zählt” – das gilt für Internetseiten, Broschüren und auch bei der Bewerbung um einen Auftrag. Auftraggeber tendieren dazu, sich bei Einschätzung der Kompetenz eines Bewerbers auf ihr Bauchgefühl zu verlassen. Nicht zu unrecht: Deine Bewerbung sagt mehr über Deine Arbeitsweise aus, als Dir vielleicht bewusst ist. Eine strukturierte Bewerbung spricht für sich.

Auftraggeber erhalten bei Freelance Junior oft viele Bewerbungen von Studierenden aus ganz unterschiedlichen Studiengängen. Um die Qualität der Bewerbungen zu sichern, verschicken wir die Bewerbungen gesammelt zu festgelegten Uhrzeiten und filtern nicht repräsentative Bewerbungen zuvor aus. Dazu zählen grundsätzlich alle Bewerbungen, die den Bewerbungstext vernachlässigen. Einige Beispiele:

  • "Ich möchte den Auftrag übernehmen."
  • "Hallo, ich bin perfekt für Ihren Auftrag. Schauen Sie sich meine Referenzen an."
  • "Ist der Auftrag noch verfügbar? Falls ja, melden Sie sich!"

Diese Bewerbungstexte kommen meist von Studierenden, die die eigenen Kompetenzen zu hoch einschätzen. Auch wenn Deine Referenzen Bände sprechen, gehört ein ordentliches Anschreiben zum guten Ton. Vergiss nicht, dass Du als Freelancer arbeitest und dem Auftraggeber gleichberechtigt gegenübertrittst. Der Auftraggeber erhält wenig Einblick in den Entwicklungsprozess eines Produkts, schließlich bist Du nicht sein Angestellter. Vergibt ein Auftraggeber einen Job an einen Freelancer, dann gibt er ihm einen Vertrauensvorschuss.

 

Was möchte ein Auftraggeber in einem Bewerbungstext hören?

In manchen Ratgebern wird empfohlen, bei der Bewerbung auf das AIDA-Prinzip zurückzugreifen. Das AIDA-Prinzip fußt auf den vier Pfeilern “Attention” (1), “Interest” (2), “Desire” (3) und “Action” (4), die in dieser Reihenfolge das Verlangen nach einem Produkt schüren sollen. Da AIDA ein Werbewirkungsprinzip ist, sind die Bezeichnungen der Pfeiler für einige Studierende missverständlich und sorgen für missglückte Bewerbungen:

 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie möchten endlich einen kompetenten Entwickler für Ihre Web-App? (1) Neben meinem Informatik-Studium habe ich die technisch fortschrittlichste Website am Markt zum Vergleich von Flugpreisen entwickelt. (2) Ihre Web-App kann ich mit MEAN-Stack umsetzen – weil diese Technik so modern ist, nehmen viele Programmierer hier einen Stundenlohn im dreistelligen Bereich. Aber weil mir Ihr Unternehmen sympathisch ist, mache ich Ihnen einen günstigen Preis. (3)

Melden Sie sich schnell – ich bin bereits im Gespräch mit zwei weiteren Auftraggebern. (4)"

 

Der Bewerber versucht hier mit allen Mitteln, den Auftraggeber von der Dringlichkeit einer Zusage zu überzeugen. Problematisch ist nur, dass der Bewerbungstext fast ausschließlich aus Worthülsen und haltlosen Behauptungen besteht. Der Auftraggeber mag denken:

  • Schätzt sich nicht jeder als "kompetent" ein?
  • Woran macht der Bewerber fest, dass seine Website zum Vergleich von Flugpreisen wirklich die technisch fortschrittlichste am Markt ist?
  • Was macht das MEAN-Stack so modern?
  • Wie soll ich prüfen, ob Entwickler für MEAN-Stack wirklich so teuer sind?
  • Was findet der Freelancer an meinem Unternehmen sympathisch?
  • Warum bewirbt sich der Freelancer auf meinen Auftrag, wenn er noch mit zwei weiteren Auftraggebern im Gespräch ist?

Ein Bewerbungstext sollte in sich geschlossen und konsistent sein. Gerade in Deutschland – in dessen Kultur das Understatement fest verankert ist –, sollte um jeden Preis vermieden werden, bei der Bewerbung zu dick aufzutragen. Eine nüchterne Darstellung der eigenen Fähigkeiten wirkt oft Wunder:

 

“Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne würde ich den Auftrag zur Erstellung einer Web-App für Sie übernehmen. (1) Neben meinem Informatik-Studium – ich befinde mich momentan im fünften Semester – habe ich bereits eine Internetseite zum Vergleich von Flugpreisen erstellt. (2) Ihre Web-App könnte ich auf Basis des MEAN-Stacks mit einer NoSQL-Datenbank umsetzen, was sehr kurze Seitenladezeiten verspricht. (3)

Über Ihre Rückmeldung würde ich mich sehr freuen. (4)”

 

Dieser Bewerbungstext wahrt die bekannte Form und versorgt den Auftraggeber mit allen nötigen Informationen. Dazu zählen:

  • Studiengang und Fachsemester
  • Darstellung der eigenen Fähigkeiten und Referenzen
  • Bezug zum Auftrag

 

Wie hebe ich mich nun von meinen Mitbewerbern ab?

Anhand des zuletzt genannten Bewerbungstextes haben wir ein Skelett für einen Bewerbungstext, der die Form wahrt. Jetzt geht es darum, uns von unseren Mitbewerbern abzuheben. Kreativen Freiraum bieten die folgenden Sätze:

 

“Gerne würde ich den Auftrag zur Erstellung einer Web-App für Sie übernehmen.” (1)

“Über Ihre Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.” (2)

 

Eigentlich sind das Satzhülsen. Jeder nutzt sie, sie stehen in jedem Bewerbungsratgeber – und dennoch langweilt es einen Auftraggeber, wenn jeder Bewerbungstext gleich beginnt und gleich endet. Diese Satzhülsen haben trotz allem eine Funktion:

(1) Stellt den Bezug zum Auftrag her und vermittelt dem Auftraggeber das Anliegen des Bewerbers. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort, dass man nicht mit der Tür ins Schloss fällt.

(2) Sorgt für einen runden Abschluss der Bewerbung. Verzichtest Du auf diese Formalität und brichst deine Bewerbung kurz vor dem Ende einfach ab, dann kommt das grob. An dieser Stelle könntest Du auch die “Next Steps” anbringen. Das ist eine Sache, die Du Dir in der Kommunikation mit Unternehmern sowieso angewöhnen solltest: Kein Unternehmer freut sich über eine E-Mail, die ins Leere formuliert ist. Deshalb solltest Du immer Lösungsvorschläge und Anknüpfungspunkte präsentieren.

Die besprochenen Satzhülsen bieten das Potenzial, Dich von Deinen Mitbewerbern abzuheben – ohne, dass Du dabei ins Labern gerätst. Denn wenn sich ein Auftraggeber zehn Bewerbungen und mehr angucken muss, dann wünscht er sich die Bewerbungstexte so pointiert wie möglich.

 

Wie würzen wir diese Satzhülsen nun, um sie den Auftraggebern schmackhaft zu machen? Angenommen, wir bewerben uns auf folgenden Auftrag:

 

Entwicklung einer Tourismus-Website

Wir sind ein junges Dortmunder Startup und suchen einen talentierten Entwickler, der uns bei der Umsetzung einer Website zum Verkauf von Last-Minute-Reisen unterstützt. Wichtig ist, dass wir die Reisen selbstständig in ein Backend einpflegen können und unsere Kunden eine Reise via PayPal oder Kreditkarte buchen können. Du solltest bei Erstellung der Website Hand in Hand mit unserem SEO zusammenarbeiten.

 

Das bietet doch schonmal viel Angriffsfläche. Wir wissen nun folgendes über unseren Auftraggeber:

  • Er kommt aus Dortmund.
  • Er besitzt ein Tourismus-Startup und kann sich wahrscheinlich persönlich für das Reisen begeistern.
  • Er legt viel Wert auf Suchmaschinenoptimierung (SEO).

Daraus ließe sich beispielsweise folgender Bewerbungstext basteln:

 

“Sehr geehrte Damen und Herren,

gerne würde ich mich vom Urlaub in Mailand aus auf Ihren Auftrag bewerben. Neben meinem Informatik-Studium – ich befinde mich momentan im fünften Semester – habe ich bereits eine Internetseite zum Vergleich von Flugpreisen erstellt. Ihre Web-App könnte ich auf Basis des MEAN-Stacks umsetzen, was die Ladezeiten der Website verringert und so bessere Positionen in den Google-Suchergebnissen verspricht.


Sonnige Grüße nach Dortmund von


Paul Programmierer”

 

Das klingt smart und sympathisch. Der Auftraggeber kann aus dieser Bewerbung herauslesen, dass:

  • Du gerne reist und die Chancen gut stehen, dass Du auch schonmal online eine Pauschalreise gebucht hast.
  • Du weißt, was SEO ist, wie SEO funktioniert und eigene Vorschläge zur Verbesserung der Suchmaschinenpositionierungen anbringst, die ein nicht technisch ausgebildeter SEO-Kenner möglicherweise nicht sehen kann.
  • Du die Auftragsbeschreibung genau gelesen hast und auf Dein Gegenüber eingehst.

Wenn Du nun noch ein paar gute Referenzen hochlädst, solltest Du den Auftrag eintüten können. 
Referenzen, die nichts mit dem Projekt Deines Auftraggebers gemein haben, solltest Du jedoch nicht im Bewerbungstext erwähnen. Auch grundlegende Fähigkeiten – wie der Umgang mit Office-Produkten – haben, solange nicht vom Auftraggeber in der Auftragsbeschreibung konkret gefordert, nichts im Bewerbungstext verloren. Dasselbe gilt für Hobbies und Fremdsprachenkenntnisse, solange sie Dir bei Bearbeitung des Auftragsgegenstands keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bewerbern bieten.

 

 


Priorisieren lernen

Als Freelancer erreicht man einen Punkt, an dem man so viele Projekte abgeschlossen und Erfahrungen gesammelt hat, dass man keine Bewerbung in einer Hand voll Sätze formulieren kann. Wer bereits so lange als Freelancer unterwegs ist, hat sich wahrscheinlich sowieso schon Gedanken darüber gemacht, eine eigene Website zu erstellen und die vergangenen Arbeiten in einem Online-Portfolio zu präsentieren.

Trotz Deiner Expertise solltest Du auch hier versuchen, Deinen Bewerbungstext so pointiert wie möglich zu halten. Erwähne nur die für den Auftrag relevantesten Projekte! Die Referenzen, die Du zusätzlich auf Freelance Junior hochladen kannst, sollten nur aus Deinen besten und repräsentativsten Arbeiten bestehen.

 

Die goldene Ausnahme: Auftraggeber ist nicht gleich Auftraggeber

Jeder Mensch tickt anders. Gibt ein Auftraggeber eine besonders lange Auftragsbeschreibung ab, erwartet er von Dir im Bewerbungstext möglicherweise schon erste Ideen zur Umsetzung des Projekts. Hier kommt es auf das richtige Fingerspitzengefühl an – und in einem solchen Fall darfst Du Dch natürlich umfassender ausdrücken. Dennoch solltest Du darauf achten, nicht ins Schwafeln zu geraten.

  

Die fünf häufigsten Fehler beim Schreiben von Bewerbungen

  • Der erste Buchstabe im Absatz nach der Anrede wird groß geschrieben.
  • Im Fließtext werden Superlative benutzt.
  • Im Fließtext werden Worthülsen wie “professionell” oder “kompetent” benutzt.
  • Berufliche Qualifikationen werden genannt, die nicht für den Auftrag relevant sind.
  • "Sie" wird großgeschrieben, "Ihre/n" aber klein