Bürokratie

Diese 7 Geschäftsausgaben können Selbständige von der Steuer absetzen

Tino Keller · Gastautor
August 2020

Sind wir mal ehrlich: Niemand beschäftigt sich wirklich gerne mit dem Thema Steuern. Die Steuererklärung ist vielmehr eine Pflicht, mit der wir uns einmal im Jahr widerwillig auseinandersetzen. Den Rest der Zeit schieben wir das Thema lieber in die hinterste Ecke des Kopfes, schließlich haben wir mit unserer eigenen Arbeit bereits genug zu tun.

Diese Rechnung ist aber leider ein bisschen zu kurz gedacht. Denn wer vorab Zeit spart, verliert vielleicht hinten raus eine ganze Menge Geld. Denn Selbstständige haben im Vergleich zu Festangestellten viel mehr Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Und mit ein bisschen organisatorischem Aufwand vorab, ist die Steuererklärung am Ende des Jahres nicht nur schnell gemacht, sondern auch noch um einiges lukrativer. 

Was muss ich als Selbstständige*r über Geschäftsausgaben wissen?

Grundsätzlich gilt: Wenn du eine Anschaffung von der Steuer absetzen möchtest, muss sie auch im Zusammenhang mit deiner selbstständigen Tätigkeit stehen. Dabei kommt es natürlich ganz auf dein Arbeitsfeld an: Wenn du deinen Lebensunterhalt als Künstler*in verdienst, kannst du beispielsweise die Anschaffung von Farben, Pinseln und weiteren künstlerischen Werkzeugen von der Steuer absetzen. Wenn du allerdings als selbstständige*r Physiotherapeut*in arbeitest, wird es schwer sein einen erkennbaren Zusammenhang für den Kauf dieser Waren zu belegen. Somit ist die Branche, in der du tätig bist, ausschlaggebend dafür, was du als sogenannte Geschäftsausgabe von der Steuer absetzen kannst.

Darüber hinaus kannst du eine Anschaffung nur dann steuerlich geltend machen, wenn du auch den entsprechenden Beleg dafür vorweisen kannst. Ohne eine Rechnung, die beweist, dass du auch wirklich selbst für die Arbeitsmittel gezahlt hast, wird es schwierig werden. Deswegen solltest du stets die Belege für alle deine betrieblichen Ausgaben aufheben

Das musst du zum Glück aber nicht im Schuhkarton in der hintersten Ecke deines Kleiderschranks tun. Mittlerweile gibt es viele Apps, mit denen du deine Rechnungen einfach scannen und digital speichern kannst. Hier findest du eine Übersicht über die besten Buchhaltungsprogramme für Freelancer*innen, mit Hilfe dieser du alle deine Ausgaben digital hinterlegen kannst. So verlierst du nie wieder einen wichtigen Beleg.

Welche Kosten kann ich von der Steuer absetzen?

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Kosten, die du als Selbstständige*r von der Steuer absetzen kannst. Dazu gehören:

  • Aus- und Weiterbildungskosten
  • Steuerberatungs- und Anwaltskosten
  • Fahrtkosten
  • Werbungskosten
  • Kosten für deinen Arbeitsplatz
  • Kosten für Versicherungen
  • Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen

Schauen wir uns die einzelnen Ausgaben einmal genauer an.

Aus- und Weiterbildungskosten

Gerade in einem selbstständigen Beruf ist es enorm wichtig, über neue Trends und Entwicklungen Bescheid zu wissen und zusätzliche Leistungen anbieten zu können. Sonst wird man schnell von der Konkurrenz überholt. Eine Möglichkeit dafür ist das Besuchen von Fortbildungen und weiterführenden Kursen. 

Das Gute daran: Du lernst nicht nur etwas Neues dazu, sondern kannst die Kosten dafür auch von der Steuer absetzen. Dafür muss lediglich ein konkreter Bezug zu deiner selbstständigen Tätigkeit nachzuweisen sein. Sofern das der Fall ist, kannst du bis zu 4.000 € pro Jahr steuerlich geltend machen.

Hier findest du kostenfreie Webinare für studentische Freelancer*innen.

Steuerberatungskosten

Gerade zu Beginn sind viele Selbstständige eher konservativ mit ihren Kosten und verzichten auf eine Steuerberaterin bzw. einen Steuerberater. Dabei kann einem der Gang zu einem Steuer-Profi gleich in zweifacher Hinsicht Vorteile bringen:

  1. Wenn deine Steuerberaterin bzw. dein Steuerberater gut ist, kannst du den ein oder anderen Steuertipp anwenden und so zusätzliches Geld sparen
  2. Du kannst die Kosten für eine Steuerberaterin bzw. einen Steuerberater ebenfalls von der Steuer absetzen

Dabei solltest du allerdings darauf achten, dass du lediglich die steuerliche Beratung zu betrieblichen Themen absetzen kannst. Tipps für deine private Lebensführung sind nicht von der Steuer absetzbar.

In der Regel berechne Steuerberater*innen jedoch sowieso einen Pauschalbetrag, der für die gesamte Steuererklärung gilt. Diesen kannst du auch in voller Höhe geltend machen und bei deinem Finanzamt als Betriebsausgabe einreichen.

Anwaltskosten

Darüber hinaus kannst du als Selbstständige*r auch potenzielle Anwaltskosten als betriebliche Ausgabe von der Steuer absetzen. Das betrifft sowohl beratende Leistungen deiner Anwältin bzw. deines Anwalts als auch alle Kosten, die im Rahmen eines gerichtlichen Prozesses anfallen. Dazu gehören unter anderen Ausgaben für Expert*innen und Gutachter*innen, die für den Prozess beauftragt wurden.

Fahrtkosten

Selbstständige sind oft viel unterwegs und fahren von einem Kunden oder Auftrag zum nächsten. Um die Kosten dafür von der Steuer abzusetzen, musst du dir allerdings nicht extra einen Firmenwagen anschaffen. 

Sofern du dein privates Auto zu mehr als 90% für die Ausübung deines Berufs nutzt, kannst du deinen Wagen als Arbeitsmittel von der Steuer absetzen. Dazu gehören sämtliche damit in Bezug stehende Aufwendungen, also Zinsen, Versicherungen, Treibstoff und Abschreibungen. 

Wenn du kein Auto hast und für berufliche Verpflichtungen den öffentlichen Nahverkehr nutzt, kannst du alternativ die Fahrausweise dafür steuerlich geltend machen.

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Werbungskosten

Der Bereich der Werbungskosten kann ein bisschen als Sammelbecken für alle sonstigen Ausgaben angesehen werden, die im Rahmen deiner selbstständigen Tätigkeit so anfallen. Hier kannst du alles absetzen, dass für die Ausübung deines Jobs unbedingt nötig ist. Dazu gehören zum Beispiel die eingangs beschriebenen Farben und Pinsel, wenn du als Künstler tätig bist. Aber auch grundsätzliche Arbeitsmittel wie Briefmarken oder Aktenordner können bei den Werbungskosten angegeben werden. 

Auch Bankführungsgebühren können hier geltend gemacht werden. Dabei ist es allerdings wichtig, dass du dein Konto nur für betriebliche Zwecke nutzt und keine privaten Zahlungen hierüber abwickelst. Das Anschaffen eines Geschäftskontos kann deswegen durchaus sinnvoll sein.  

Wenn du für deine selbstständige Tätigkeit außerdem besondere Arbeitskleidung, wie zum Beispiel eine Uniform oder einen „Blaumann“ benötigst, kann dies sich auch steuermindernd auswirken. Schicke Kostüme und Anzüge zählen hier allerdings nicht dazu. 

Und schließlich kannst du auch Beiträge für Berufsverbände von der Steuer absetzen.

Kosten für den Arbeitsplatz

Ganz egal, ob du Büroräume hast, einen Platz in einem Co-Working Space anmietest oder von Zuhause aus arbeitest: Du kannst die Kosten für deinen Arbeitsplatz als Betriebskosten von der Steuer absetzen. 

Wenn du in deiner eigenen Wohnung arbeitest, gibt es allerdings ein paar Besonderheiten zu beachten. So musst du zum Beispiel ein gesondertes Arbeitszimmer haben, um die anteiligen Kosten für Miete, Strom und Internet steuermindernd anzurechnen. Wer seinen Schreibtisch in einer Ecke des Wohnzimmers zu stehen hat, kann leider keine Kosten absetzen. 

Versicherungen

Zur Arbeit als Selbstständige*r gehört oft auch das Abschließen von verschiedenen Versicherungen. Wenn diese der Absicherung von betrieblichen Risiken dienen, kannst du sie in voller Höhe von der Steuer absetzen. 

  • Als Betriebskosten gelten dabei die folgenden Versicherungen: 
  • Betriebliche Unfallversicherung
  • Betriebshaftpflicht-, Berufshaftpflicht- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
  • Betriebsunterbrechungs- bzw. Betriebsausfallversicherung
  • Betriebliche Forderungsausfallversicherung
  • Rein betriebliche Rechtsschutzversicherung
  • Betriebliche Feuer-, Diebstahl- und Hagelversicherung
  • Gesetzliche Unfallversicherung
  • Kasko-, Haftpflicht- und Unfallversicherung für betrieblich genutzte PKW
  • Hausratversicherung, sofern ein Arbeitszimmer vorhanden ist

Je nach Branche und Betrieb können aber auch noch weitere Sonderversicherungen steuerlich geltend gemacht werden.

Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen

Neben betrieblichen Versicherungen gibt es natürlich auch noch weitere Absicherungen im privaten Bereich, die ebenfalls steuermindernd sein können.

Dazu gehören die folgenden Versicherungen:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Unfallversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Privathaftpflichtversicherung
  • Krankentagegeldversicherung
  • Lebensversicherung
  • Risikolebensversicherung

Kann ich das absetzen?

Falls du dir nicht sicher bist, welche Ausgaben du von der Steuer absetzen kannst, haben wir einen kleinen Tipp für dich: Die Steuerspar-Suchmaschine von Accountable. Hierbei handelt es sich um eine hilfreiche Suchmaschine, in der du nach allen möglichen Ausgaben suchen und sofort Informationen zu ihrer steuerlichen Absetzbarkeit erhalten kannst.


Tino Keller
Gastautor
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Über Tino

Tino kennt sich als Mitgründer von accountable bestens mit Themen rund um Steuern aus.

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