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DAW: Digital Audio Workstation - Audiobearbeitung für Jingles, Radiospots & Co

Alena · Multimedia und Kommunikation
June 2021

Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass das eigenständige Bearbeiten und Mischen von Audiomaterial ein sehr schwieriges, und wegen des Zubehörs, kostspieliges Unterfangen ist. Wenn man sich ein voll eingerichtetes Tonstudio anschaut, scheint das auch so. Die ganzen Kabel und Mikrofone, das riesige Mischpult – da muss wohl schon eine ganze Menge Geld im Spiel sein um professionell arbeiten zu können. Wie soll man sich so etwas als Audio-interessierte:r Student:in denn leisten? Da ist es vielleicht besser sich anderweitig zu beschäftigen und den Gedanken gleich wieder zu verwerfen… Nein! Denn alles, was man sich nach einem Blick auf das Tonstudio so denkt, stimmt eigentlich gar nicht. Ja, hier wird zwar häufiger für Filme und Musikalben aufgenommen, aber das Meiste, was man dort sieht, ist für eine saubere und professionelle Arbeitsweise gar nicht unbedingt notwendig. 

Die besten DAWs für Einsteiger:innen

Einen Großteil der verlangten Arbeit im Audiobereich kann man nämlich schlicht und ergreifend am Computer oder Laptop machen. Hier werden nur sehr selten diese großen, wuchtigen Mischpulte verwendet. Mittlerweile arbeiten fast alle Audiofachleute mit sogenannten DAWs – lang: Digital Audio Workstations. Was ist also eine DAW? Diese Programme sind digitale Mischpulte, mit denen ihr einfach und ohne zusätzliche Hardware, Audiospuren bearbeiten, mischen und mit Effekten versehen könnt – kurzum: Alles was ein großes Mischpult im Tonstudio auch kann. Von diesen Programmen gibt es sehr viele verschiedene Varianten, die teilweise sogar kostenlos zu erhalten sind. Ihr seht: Audio zu bearbeiten ist ganz und gar nicht teuer. Im Gegenteil, du kannst dir sogar verschiedene DAWs für verschiedene Aufgaben zulegen.

Hier sind ein paar der besten DAWs aufgelistet, die für Anfänger:innen und Profis beiderseits nützlich sind. 

Pro Tools 

Pro Tools ist ein Allrounder unter den DAWs. Mit dieser Software kann man Musik mischen Neuvertonungen erstellen, Sprachaufnahmen bearbeiten, und vieles mehr. 

Diese DAW ist zwar kostenpflichtig, aber hier bekommst du für dein Geld in jedem Fall eine Anwendung, die leicht zu erlernen ist und einen Großteil der möglichen Aufgabenbereiche der Audiobearbeitung abdeckt.

Reaper 

Reaper ist genau wie ProTools, eine ziemliche Allzweckwaffe. Besonders gut geeignet ist Reaper allerdings zum Mischen und Produzieren von Musik. Das Schöne an Reaper: Der ganze Spaß ist kostenlos. Du kannst die Software also einfach testen. Zugegeben, die Software ist in der Bedienung nicht ganz so einfach wie beispielsweise Pro Tools, aber hier bekommst du eine durchaus gute, kostenfreie Alternative.

Audacity 







Audacity ist eine DAW, die sich im Gegensatz zu Reaper und ProTools primär für einen einzelnen Bereich eignet. Dieser ist die Bearbeitung von Sprachaufnahmen. Hier ist Audacity den anderen DAWs mit einigen handlichen Funktionen sogar etwas voraus. 

Audacity ist wie Reaper kostenfrei und eignet sich vortrefflich für die Bearbeitung von Audioclips, ist aber kein wirklicher Allrounder und eignet sich eher als unterstützendes Programm zu einer der beiden vorher genannten DAWs.

Audition (Adobe) 

Wenn man von DAWs redet, kommt, durch die vielerorts erworbene Creative Cloud natürlich auch schnell gerne mal Adobe Audition zur Sprache. Doch Adobe Audition ist unter Audiofachleuten kein gängig verwendetes Programm. Es hat zwar einige Funktionen, die es als DAW sehr ansprechend erscheinen lassen, jedoch fehlen wichtige Features, die für die professionelle Audiobearbeitung gängig verwendet werden. 

Dementsprechend zieht man hier oft ProTools oder Reaper für die Arbeit im Audiobereich vor.



Was ist eine Digital Audio Workstation?

Wenn man sich nun eine DAW für die Arbeit im Audiobereich zugelegt hat, geht es weiter zum nächsten Teil: Wie bediene ich jetzt dieses Ding? 

Das ist tatsächlich leichter, als man Anfangs denkt. Hierfür gibt es eine Menge Tutorials auf YouTube, die man sich ansehen kann und selbst Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Anfänger:innen, wie man einzelne Arbeitsprozesse durchführt. Die Arbeitsweise ist schnell erlernt und das User-Interface verstanden. Die einzige Regel, die man nicht in jedem Tutorial hört, die es aber unbedingt zu verinnerlichen gilt: Vor dem Exportieren deines Projektes immer auf den Gesamtpegel achten. So sorgst du dafür, dass das Endresultat eine angemessene Lautstärke hat. Außerdem, sollte man alle Audioschnipsel immer mit einem Fade-In und einem Fade-Out versehen, um ein hörbares Knacken bei deren Einsätzen zu verhindern. 

Das beste Equipment für Einsteiger:innen

Wenn man sich dann erst mal mit der Bearbeitung vertraut gemacht hat, möchte man vielleicht selbst anfangen, Audioclips und Sprachaufnahmen zu produzieren. Dazu braucht man allerdings gutes und professionelles Equipment. Das wird doch bestimmt unbezahlbar, oder? Nicht unbedingt! Oft ist es nicht so teuer, wie man erst denkt. 

Mikrofon für daheim

Zu Anfang genügt ein gutes Mikrofon vollkommen. Hier eignet sich Zuhause für den Anfang gut ein Großmembran-Kondensatormikrofon. Diese Mikrofone sind sowohl für Stimmaufnahmen, als auch für die Aufnahme einer großen Anzahl an Instrumenten geeignet und somit hervorragend für Einsteiger. Das Rode NT1-A ist hier eine der besten und preiswertesten Varianten, wenn man nach der Qualität geht. Man benötigt aber aufgrund der XLR-Kabelverbindung ein Interface zum Anschluss an den Computer. Hierfür eignet sich ein simples Scarlett Focusrite Solo, welches mit zu den besten Interfaces im Audiobereich gehört und auch nicht zu teuer ist. Mit den Anschlüssen dieses Interfaces kann man nämlich nicht nur ein Mikrofon aufnehmen, sondern auch Gitarren, Bass, Keyboard und alles, was einen XLR- oder Klinken-Anschluss hat. 

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Mikrofon für unterwegs

Was man über sie allerdings wissen sollte: Kondensatormikrofone benötigen eine Phantomspeisung um zu funktionieren – das heißt, ohne Strom geht da nichts. 

Wenn man also vorhat ein paar kleine Aufnahmen unterwegs zu machen und sich im Allgemeinen lieber eine Art Taschenmikrofon mit vielerlei Anwendungsmöglichkeiten zulegen möchte, eignet sich da ein Zoom 4HnPro. Diese Mikrofone sind bestens für Einsteiger:innen geeignet und lassen sich in vielerlei Hinsicht dem Verwendungszweck entsprechend anpassen. Außerdem haben sie eine kompakte Größe und sind batteriebetrieben, das heißt du kannst sowohl zu Hause oder unterwegs aufnehmen!

Soundisolation

Zuletzt noch etwas zur Soundisolation: Viele Tonstudios haben Wände gespickt mit Schaumstoff, gelochten Holzplatten oder anderen Diffusoren, um möglichst viel Schall zu absorbieren und die Aufnahme so trocken wie möglich klingen zu lassen. Aber keine Sorge: ihr müsst euer Zimmer nicht so einrichten um gute Aufnahmen machen zu können. Zunächst einmal ist für eine:n Anfänger:in eine großartige Schallabsorption gar nicht so wichtig, passt nur darauf auf, dass der Ort, an dem ihr die Aufnahmen macht, möglichst wenig hallt. Wer aber trotzdem findet, dass seine Aufnahmen durch die Umgebung noch an Klarheit verlieren, könnte sich für den Anfang erst einmal einen Diffusor zulegen. Hier gibt es kleine, aufklappbare Versionen, die auf der Innenseite mit Schaumstoffdiffusoren bedeckt sind und das Mikrofon umgeben. Auf diese Weise kannst du auch ohne viel Geld und ohne eine grundlegende Renovierung die Audioqualität verbessern. 

Lernen der Hardware

Bevor du dir ein Mikrofon anschaffst, solltest du dich allerdings grundlegend mit Audiotechnik auskennen. Auch hierfür gibt es YouTube-Videos und interessante Artikel um sich selbst zu unterrichten. Die Bereiche, über die man auf jeden Fall Bescheid wissen sollte, sind: Mikrofontypen, Richtcharakteristiken, Stereofonie-Varianten (auch Stereoprinzipien genannt), Grundwissen über das menschliche Gehör, sowie ein paar Basics zur Schallübertragung. 

Filmton in der Audioproduktion

Wenn du dich sich eine Weile mit Audiobearbeitung beschäftigst und auch schon eigene Aufnahmegeräte besorgt hast, kommst du häufig im Verlauf deines Werdegangs an eine Neuvertonung oder Synchronisation eines Films. Ein ganz alltäglicher Teil des Audiobereichs. Natürlich kommt einem hier zunächst Filmmusik in den Sinn und die Komposition und Aufnahme dieser mit einem Orchester, etc., etc.… Doch das ist nur ein kleiner Prozentsatz dessen, was eigentlich bei einer solchen Neuvertonung gemacht wird und oft fällt er sogar ganz weg, weil die Filmmusik schon vorab für den:die Sounddesigner:in von einem Komponisten geschrieben und von Tontechniker:innen aufgenommen wurde, um die Arbeit in der Postproduktion zu erleichtern. Filmmusik zu schreiben ist natürlich oft auch ein Teil der Audioproduktion, jedoch besteht die Arbeit einer Neuvertonung meist zu großen Teilen aus anderen Bestandteilen des Filmes. Hier gibt es vier Elemente, aus denen sich jeder Film zusammen setzt und die du kennen solltest. 

  1. Atmosphäre

Kein Raum ist vollkommen still, selbst wenn gerade kein Geräusch zu hören ist. Außerdem klingt jeder Raum ein wenig anders. Um eine Neuvertonung echt klingen zu lassen, benötigt man grundsätzlich eine ruhige Aufnahme dieses, oder eines ähnlichen Raumes, die man als leise Audiospur in den Hintergrund legt. 

  1. Foleys

Foleys oder Soundeffekte sind die Geräusche, die durch Ereignisse der auf dem Bildschirm gezeigten Handlung erzeugt werden, wie Rascheln der Kleidung, Schritte oder selbst das Kratzen eines Stiftes auf Papier. All diese Geräusche müssen aufgenommen, in die Audiospur eingefügt und mit den anderen Spuren abgemischt werden, um ein möglichst natürliches Ergebnis zu kreieren.

  1. Dialog

Der Dialog ist – genau wie es sich anhört – der gesprochene Part des Films. Dieser wird mit Sprecher:innen aufgenommen und bekommt später ein wenig Hall hinzugefügt, um natürlicher in den gezeigten Räumlichkeiten zu wirken. 

  1. Musik

An dieser Stelle kommen wir zu dem wohl bekanntesten Audioteil eines jeden Filmes – der Musik. Die Musik wird im Falle des bereits aufgenommenen Stückes – wie bereits erwähnt – nur noch an der passenden Stelle eingefügt und von der Lautstärke her angepasst.

Musikproduktion

Solltest du allerdings die Musik selbst produzieren wollen und das ohne, dass dir ein Orchester oder Musiker:innen zur Verfügung stehen, so gibt es zwei einfache Lösungen für Anfänger:innen diese selbst herzustellen. 

Zum einen wäre da das Complete Control Plugin für DAWs, das es möglich macht, in einer DAW geschriebene Noten mit einer Vielzahl an Instrumenten – auch denen eines Orchesters – spielen zu lassen. Dies ist eine kostenpflichtige Variante und erfordert die Fähigkeit Noten zu lesen und schreiben zu können. 

Für Interessierte, die gerade erst anfangen sich mit Musikproduktion zu beschäftigen, ist das Programm GarageBand interessant. Es beinhaltet eine Vielzahl an Clips von verschiedenen Instrumenten, die man nur noch so zusammen mischen muss, wie man es gern möchte, um eine fertige und copyrightfreie Filmmusik herzustellen. Abgesehen davon ist dieses Programm auch noch kostenlos, allerdings nur für Apple-Geräte zu erhalten. 

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Mischen und Mastern - Alles in der DAW

Wenn du dich ein wenig in die Audiobearbeitung eingearbeitet hast, kommst du irgendwann an einen Punkt, an dem du Instrumente und Gesang selbst aufnehmen und in einem guten Verhältnis zueinander abmischen möchtest. Hierbei gibt es einige Arbeitsschritte, die für das Mischen von Audiomaterial unerlässlich sind. 

Spuren putzen 

Als „Putzen der Spuren“ wird der Prozess bezeichnet, unnötige Sektionen der Aufnahmen, in denen nichts gesagt oder kein Material vorhanden ist herauszuschneiden, um Hintergrundgeräusche zu minimieren – wir erinnern uns: „jeder Raum hat einen Klang“. 

Routing

Als Routing bezeichnet man die Lenkung des Audiosignals, um den Song möglichst leicht und clever mischen zu können. Das funktioniert ähnlich wie mit Ordnersystemen auf dem Computer – wenn ich mehrere Dateien in einen Ordner lege und diesen an einen anderen Ort verschiebe, verschieben sich mit dem Ordner auch die Dateien darin. Das heißt, alles, was ich mit dem Ordner mache, betrifft auch die Dateien darin. Wenn ich also beispielsweise ein Schlagzeug mischen möchte, habe ich zunächst die Aufnahme jeder einzelnen Trommel. Wenn ich die Trommeln einzeln eingestellt habe, kann es aber sein, dass ich das Schlagzeug als Ganzes etwas leiser machen oder seine Position nach rechts verschieben will. An dieser Stelle hilft es mir, wenn ich alle Trommeln in einem Ordner gesammelt habe, an dem ich Einstellungen vornehmen kann, die jede Trommel betreffen. Vernünftig zu routen erspart einem eine Menge Zeit und Arbeit beim Musik mischen. 

Mischen

Als Mischen wird nicht nur der gesamte Vorgang, sondern auch das Einstellen der Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Spuren zueinander bezeichnet.

Panning

Als Panning wird das Anordnen eines Instruments oder einer Soundquelle im Stereopanorama bezeichnet. Ein Stereopanorama kannst du dir als eine unsichtbare Bühne vorstellen, vor der wir stehen. Je nachdem wo welche:r Musiker:in steht, hören wir die Person aus dieser Richtung. Wo die Musik unseres jeweiligen Instruments herkommt, können wir mit einem einfachen Drehregler in unserer DAW für jede einzelne Spur einstellen. So können wir uns ohne große Mühe eine Bühne mit Musiker:innen im 3D-Raum zusammenstellen. 

Effekte

Wenn man mit seiner Mischung soweit zufrieden ist, lohnt es sich manchmal noch ein paar Effekte auf einige Spuren zu packen. Zum Beispiel einen Reverb-Effekt auf die Stimme des:der Sänger:in um ein wenig Hall hinzuzufügen, oder ein Gate auf das Schlagzeug, um die Trommeln an den Stellen des Gesangs etwas leiser zu machen. Effekte hinzuzufügen lohnt sich oft, um den Klang der Gesamtmischung zu verbessern, ist aber, je nach Empfinden des:der Sounddesigner:in, nicht unbedingt notwendig. 

Fazit: Was bringen dir Digital Audio Workstations und Co.

Letztendlich lässt sich sagen, dass Audiobearbeitung und -produktion gar kein so schwieriges Fachwerk ist, wie es oft den Anschein hat. Jeder kann Ton bearbeiten und produzieren. Es kommt in diesem Bereich mehr auf eine gute und saubere Arbeitsweise, als auf ungeheuer teures Equipment an. Und die, kann sich wirklich jeder mit ein wenig Motivation und Willenskraft aneignen.


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Über Alena

Alena studiert Mulitmedia und Kommunikation mit den Schwerpunkten und Audio. Auch Grafikdesign zählt zu ihren Fähigkeiten, besonders gut sieht sich Alena allerdings in der Audiobearbeitung. Von Selbstkomponierter Musik über Neuvertonungen von Filmen bis hin zu Scriptwriting hat sie schon einige Erfahrungen im Bereich Film und Musik sammeln können.

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