Erfahrungsberichte

Selbstständigkeit und Elternschaft

Fenja Braasch · Kulturwissenschaften und Digitale Medien
April 2019

Anders als bei jungen FreelancerInnen ohne Familie ist die Hürde für Eltern sehr viel größer den Schritt in die Freiberuflichkeit zu wagen. Das ist im ersten Moment auch absolut verständlich. Man verdient mit seinem Job ja nicht nur das Geld für sich selbst, sondern entscheidet mit seinem Entschluss über die Finanzen eines ganzen Haushalts. Als freiberufliche Texterin und Mutter von zwei Kindern möchte ich den jungen Eltern, die darüber nachdenken, sich mit ihren Ideen selbstständig zu machen, dazu ermutigen, den ersten Schritt zu wagen!

Familienleben und Freiberuflichkeit 

Die Hauptfaktoren, über die man sich als freiberufliches Elternteil sorgt, sind die Zeit, die Flexibilität, die Motivation, der mögliche Arbeitsplatz und die Finanzen. Zusammengefasst: Man sorgt sich um Alles.

Natürlich gibt es da die Tiere unter den Freelance-Moms und Freelance-Dads, die alles mit Links zu händeln scheinen, aber nach meiner Erfahrung ist diese bewundernswerte Spezies doch eher die Ausnahme. Ich für meinen Teil stand zu Beginn meiner Freiberuflichkeit vor einem Berg an Existenzängsten, den auch du vermutlich gerade vor dir siehst. Ich möchte dir hier ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, an denen du dich als EinsteigerIn orientieren kannst.

Ich habe vor knapp einem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Ich bin also ein echter Jungspund in der Branche und kann daher ziemlich gut verstehen, wie du dich zu Beginn dieses Abenteuers fühlst. 

Meine Kinder sind beide unter dem Motto „Das verflixte letzte Jahr“ auf die Welt gekommen. Kind eins bekam ich im letzten Jahr meiner Schullaufbahn. Im letzten Jahr meines Studiums erwarteten wir dann Kind Nummer zwei. Ich war gerade drauf und dran in den Beruf zu starten und hinterfragte auf einmal von Neuem, wie ich mir mein Berufs- und Familienleben vorstellte. Im Studium arbeitete ich in einem großen Verlagshaus. Zwei Stunden pendeln am Tag gehörten hierbei zu meinem täglichen Programm. Es war also absolut klar, dass die Option zurückzukehren außer Frage stand. Dafür war mir meine Zeit einfach zu kostbar. Nein, ich hatte und habe diese Zeit einfach nicht.

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Zeit, Motivation und Flexibilität – Das eine bedingt das andere

Wer kleine Kinder in seinem Haushalt hat, weiß das die omnipräsente Berufsvorraussetzung auf dem Arbeitsmarkt namens „Flexibilität“ sich für frischgebackene Eltern zu einem Fremdwort entwickelt. Das Kind wird alle naselang krank oder man erhält keinen Krippenplatz. In den ersten drei Jahren ist man eher eine schillernde Ausnahme, wenn alles irgendwie rund läuft. Eine dieser Geschöpfe war ich. Zumindest was den Krippenplatz anbelangt, hatten wir auf Anhieb Glück. Der Kleine geht, seit er ein Jahr alt ist, von 8 bis 13 Uhr in die Krippe. Ich habe am Tag daher fünf Stunden zum Arbeiten zur Verfügung. 

Der größte Pluspunkt am Arbeiten als Freelance-Parent ist, dass du keine lange Pendelei auf dich nehmen musst. Schläft der Kleine (wie jetzt gerade) am Nachmittag, kann ich auch in dieser Zeit nochmal schnell meine Mails checken oder einen Produkttext fertigstellen. Ich plane meinen Beruf also flexibel um meinen Alltag herum.

Natürlich mache ich keinen Hehl daraus, dass die Motivation in den Ferien, während Krankheiten oder bei extremen Schlafentzug schon mal im Keller ist. Aber welcher Arbeitgeber bietet dir eine Couch, einen guten Kaffee und das Arbeiten im Schlafanzug außer dir selbst?

Arbeitsplatz - Co-Working mit Kindern oder Homeoffice?

Der passende Arbeitsplatz ist eine ewige Frage unter Freelancern mit oder ohne Kind.

Als Freelancerin mit Kind kenne ich die ständigen Unterbrechungen nur zu gut. Das Kind braucht eine neue Windel, hat Hunger oder zieht das Kabel der Internetbox raus. Manche schaffen es zwischen Spielzeug und unabgewaschenem Geschirr zu arbeiten. Denen zolle ich meinen vollsten Respekt. Das hat natürlich einen großen Vorteil: Arbeiten im Homeoffice spart bares Geld. Für alle Eltern, die den Alltag Zuhause nicht so leicht ausblenden können: Co-Working-Spaces gibt es nun auch für Freelance-Parents.

In vielen Städten kristallisiert sich diese neue Form des Arbeitens heraus. Zwar stecken viele dieser Projekte in den Kinderschuhen, doch die arbeitsplatznahe Betreuung der Kinder mit Erziehern und Eltern, ist ein immer größer werdender Markt. Wenn du dich Zuhause nicht konzentrieren kannst, schau dich in jedem Fall nach einem Platz in deiner Nähe um, in dem du dich wohl fühlst und gut arbeiten kannst, denn nur so kannst du als FreelancerIn auch erfolgreich sein.

Finanzen: Verkaufe dich nicht unter Wert!

Hier kann ich dir nur ans Herz legen: Recherchiere ganz genau, bevor du deine Preise festlegst, ansonsten landest du schnell bei einem Hungerlohn, mit dem du gerade einmal deinen Unterhalt decken kannst. #beentheredonethat

Daher kommen hier ein paar essenzielle Finanz-Hinweise, die du in jedem Fall einkalkulieren musst:

  1. Als FreiberuflerIn musst du am Ende des Jahres eine Steuererklärung Bewahre daher alles auf, was dir für die Steuer nutzen kann! Kinderbetreuung, Fahrtwege zu AuftraggeberInnen, Büromaterial - All das spart dir bei der Steuererklärung bares Geld.
  2. Plane ein, dass deine Krankenversicherungsbeiträge relativ hoch sein werden. Rufe lieber frühzeitig bei deiner Krankenkasse an und informiere dich über die Sätze, bevor es am Ende eine böse Überraschung gibt.
  3. Deine Auftragslage wird zu Beginn vermutlich erst einmal gering sein. Mit der Zeit und mit jedem Auftrag, den du erfüllt hast, steigt jedoch deine Kompetenz und du wirst mehr Aufträge erhalten. Als Einsteiger ist es daher sehr sinnvoll sich auf einer Plattform Arbeit zu suchen, die sich auf junge Freelancer spezialisiert hat. Im Studium habe ich so über Freelance Junior meine ersten Erfahrungen sammeln können und stand beim Berufseinstieg nicht am Nullpunkt.

Mit meinem jetzigen Verdienst kann ich meinen Lebensunterhalt und den meiner Kinder decken und habe trotzdem Freizeit mit und ohne meine Kinder!

Selbstständig trotz wegen der Kinder

Freiberuflichkeit bedeutet ein Stück mehr Freiheit für Eltern, die in den Beruf starten. Du sammelst berufliche Erfahrungen und kannst trotzdem für deine Kinder da sein, wenn sie dich brauchen. Als eigener Chef solltest du dir darüber bewusst sein, dass dein Erfolg an dir hängt. Das ist etwas Positives! Niemand hält dich zurück deinen Weg zu gehen und keiner verurteilt dich dafür, dass du nicht um 8.30 Uhr im Büro sitzt, weil die Krippe heute erst um 9 Uhr aufmacht.

Meine größte Motivation sind meine Kinder! Ich lebe Ihnen vor, dass man alles schaffen kann, was man sich vornimmt. Fleiß gehört selbstverständlich dazu! Existenzangst ist ebenfalls etwas ganz Natürliches - Die Frage ist nur, wie viel Raum man ihr im Alltag lässt und wie gut man auf sie vorbereitet ist.

Der Schritt in die Selbstständigkeit mit Kind ist das Beste, was mir passieren konnte.

Wenn auch du eine genaue Vorstellung von deinem Leben vor dir hast und du weißt, dass ein Leben in einem Großraumbüro in 8 Stunden Schichten nicht das ist was dich erfüllt, dann packe deine Bergsteigerschuhe ein und melde dich als FreiberuflerIn an! Es lohnt sich.


Fenja Braasch
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Über Fenja

Nach ihrem Studium in Kulturwissenschaften und Digitalen Medien und mehrern Stipendien hat Fenja sich entschieden Freelancerin zu werden. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Selbstständigkeit und Familie miteinander vereinbar sind.

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