Reverse Charge: Umsatzsteuer im innereuropäischen Raum
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Reverse Charge: Umsatzsteuer im innereuropäischen Raum

Antje

Antje

Redakteur:in

· Juni 2021

· aktualisiert August 2021

Innerhalb der EU gelten ganz eigene Regeln, was die Umsatzsteuer betrifft. Hier spricht man auch vom Reverse-Charge-Verfahren bzw. der Umkehrung der Steuerschuldnerschaft. Klingt kompliziert? Aber so schlimm ist es gar nicht.

Als Freelancer:in erbringst du evtl. deine Dienstleistungen an eine:n Kundin:Kunden im EU-Ausland. Immer wenn das der Fall ist, kommt das Reverse-Charge-Verfahren zur Anwendung. Dabei spielt es keine Rolle, ob du Kleinunternehmer:in bist oder nicht. Das Reverse-Charge-Verfahren musst du immer anwenden.

Deine Rechnungsstellung mit Reverse Charge in andere EU-Länder

Du musst keine Umsatzsteuer auf deiner Rechnung berechnen und ausweisen. Dafür muss dein:e Kunde:Kundin die Umsatzsteuer in seinem:ihrem Land nach seinen:ihren Steuersätzen ausweisen und abführen. Voraussetzung dafür ist, dass du die USt-ID deines:deiner Kunden:Kundin besitzt, diese auf Gültigkeit geprüft hast und diese auf der Rechnung ausweist. Zusätzlich musst du auf der Rechnung deine USt-ID angeben und auf das Reverse-Charge-Verfahren hinweisen. Hierfür reicht ein einfacher Text. 

Rechnungsstellung bei Freelance Junior

Das Schöne für dich als Freelance Junior - Nutzer:in ist, dass die richtige Rechnungsstellung für dich Freelance Junior übernimmt. Das Einzige, was du tun musst, ist: Du musst die USt-ID deines:deiner Kunden:Kundin einholen, auf Gültigkeit prüfen und bei Freelance Junior angeben. Die Prüfung auf Gültigkeit der USt-ID kannst du online beim Bundeszentralamt für Steuern jederzeit vornehmen. Den Rest übernimmt dann Freelance Junior für dich. D.h. du kannst dich darauf verlassen, dass deine Rechnungen auch im EU-Kontext immer korrekt für dich erstellt werden.

Dein Kunde besitzt keine USt-ID?

Besitzt dein:e Kund:in keine gültige USt-ID, z. B. weil er:sie eine Privatperson ist, weist du – wenn du umsatzsteuerpflichtig bist - die  normale deutsche Umsatzsteuer aus und führst diese auch normal in Deutschland ab. D.h. hier findet keine Änderung zur Vorgehensweise in Deutschland statt.

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Korrekter Ausweis deiner Rechnungen in der UStVA

Du musst in der UStVA deinen Umsatz mit Kund:innen aus dem EU-Ausland unter der Kennziffer 21 als „nicht steuerbare sonstige Leistungen gem. § 18b Satz 1 Nr. 2 UStG“) angeben. Damit wird kein Steuerbetrag für dich in Deutschland fällig. Die Steuer bezahlt ja dein:e Kunde:Kundin in seinem:ihrem Land.

Zusätzliche Pflicht zur Abgabe der Zusammenfassenden Meldung (ZM)

Sobald du eine Dienstleistung („sonstige Leistung“ für Kunden:Kundinnen aus dem EU-Ausland) getätigt hast, musst du zusätzlich eine sogenannte Zusammenfassende Meldung abgeben. Diese musst du vierteljährlich immer zum 25. des Folgemonats erstellen und abgeben. Dabei musst du die USt-ID deines:deiner Kunden:Kundin angeben und zusätzlich den Umsatz je Kunden:Kundin. Du kannst die ZM entweder beim BZStOnline-Portal, dem Elster Online-Portal oder über eine Buchhaltungssoftware, die eine Schnittstelle für die ZM zu Elster bietet, abgeben.

Hinweis: Als Kleinunternehmer:in entfällt für dich die Pflicht, eine ZM abzugeben.

Reverse Charge: Du erhältst eine Rechnung aus dem EU Ausland?

Dann hast du vermutlich deine USt-ID dem Lieferpersonal mitgeteilt und findest den Vermerk „Reverse-Charge“ auf der Rechnung abgedruckt. Zusätzlich ist auf der Rechnung keine Umsatzsteuer separat aufgeführt.

Dann trittst du nun als „Leistungsempfänger:in als Steuerschuldner:in“ auf. Das bedeutet für dich, dass du sowohl die Umsatzsteuer als auch die Vorsteuer in deiner UStVA angeben musst. Unterm Strich führt das dazu, dass du keine Umsatzsteuer bezahlst, da du die Vorsteuer im gleichen Zug wieder abziehen darfst. 

Der Sinn dahinter? Es soll damit die Steuerhinterziehung erschwert werden. So können die Finanzämter der EU-Mitgliedsländer die Steuern miteinander vergleichen und merken, wenn Umsätze nicht ausgewiesen wurden.

Hinweis: Als Kleinunternehmer:in oder sonst steuerbefreites Unternehmen entfällt für dich das Recht die Vorsteuer abzuziehen. Du musst die Umsatzsteuer ausweisen und bezahlen, darfst aber keine Vorsteuer abziehen. Dazu erstellst du jährlich deine Umsatzsteuererklärung und gibst dabei die Umsatzsteuerbeträge in den Kennziffern an.

Korrekter Ausweis deiner Eingangsrechnungen in der UStVA

Die korrekten UStVA-Kennziffern hängen davon ab, worüber die Eingangsrechnungen lauten: es wird prinzipiell immer zwischen Warenlieferungen und Dienstleistungen („sonstige Leistungen“) unterschieden. Weiter musst du dir überlegen, wie die Waren in Deutschland zu versteuern wären. Also mit 19 % oder mit 7 %. In die entsprechende Kennziffer musst du dann den Umsatz in der UStVA angeben:

Art

Name

Kennziffer Umsatzsteuer

Kennziffer Vorsteuer

Einkauf von Waren (Produkte)

Innergemeinschaftlicher Erwerb

Umsatz 89, 93, 98 (je nach Umsatzsteuerbetrag)

Steuer 61

Bezug von Dienstleistungen

Leistungsempfänger als Steuerschuldner § 13b Abs. 1 UStG

Umsatz 47

Steuer 46

Steuer 67

Bezug von Bauleistungen, Gebäudereinigungen, Werklieferungen und andere

Leistungsempfänger als Steuerschuldner § 13b Abs. 2 UStG

Umsatz 84

Steuer 85

Steuer 67



Fazit: So meisterst du das Reverse Charge Verfahren





Du möchtest dir um die korrekten Kennziffern und die ZM keinen Kopf machen? Dann lass dich von einer Buchhaltungssoftware wie zum Beispiel Kontolino! unterstützen. Hier stehen dir alle notwendigen Mehrwertsteuercodes zur Verfügung. Du suchst nur noch den passenden Code aus und für die korrekte Ausweisung in der UStVA, ZM und USt sorgt die Buchhaltungssoftware. Sind die Meldungen fällig, reicht ein Klick und deine Daten werden per integrierter Elster-Schnittstelle an das Finanzamt geschickt. Als Bestätigung erhältst du von deinem Finanzamt das offizielle Sendeprotokoll.

Du siehst also, mit ein wenig Wissen und der richtigen Unterstützung ist auch das Thema Reverse-Charge gut zu meistern.

Info: Schau dir zusätzlich gerne Freelance Juniors Übersicht zu den verschiedenen Buchhaltungsprogramme an, um einen guten Überblick zu bekommen, was es so auf dem Markt gibt!

Antje

Antje

Redakteur:in

Antje Rößle-Tuchel ist Betriebswirtin (BA) und erledigt die Buchhaltung der objektfabrik (dem Hersteller von Kontolino!) bereits über 20 Jahre lang und die Buchführung eines Vereins einige Jahre lang im Ehrenamt.