Studentenleben

Generation Y - (Don't) call me "maybe"

Stephanie Reichelt · Autor
Mai 2019

Eine kleine Anmerkung vorab: Ich bin 1985 geboren und somit anscheinend Teil der Generation Y. Die Soziologen sind sich in ihrem Diskurs nicht ganz einig, wer dieser Generation überhaupt angehört. Der Großteil der Generation Y wird der bürgerlichen Mittelschicht zugeordnet und ist etwas in den Jahrgängen von 1980 bis Mitte oder Ende der 1990er geboren. Solltest du- lieber Leser- also ein Kind der achtziger sein, so bist du ganz sicherlich auch damit gemeint.

Über uns wird ziemlich viel berichtet und geredet. Wir sind Auslöser ganzer Generationsdebatten und dienen als Forschungsobjekte in einer Vielzahl von Studien. Nur um darauffolgend Behauptungen aufstellen zu können, wer wir sind und was wir so wollen. Kaufmännische Interessen verfolgen hierbei besonders Medien und Verlage. Denn Medien haben die Funktion, nicht etwa Normalität als News anzubieten, sondern Abweichungen der aktuellen Lage zu beschreiben und diese zu verkaufen. Neben verlässlichen Studien reihen sich somit auch immer wieder Artikel, vorrangig in den Wochen- und Monatsmagazinen ein, mit Überschriften wie Generation Weichei (FAZ), Generation Maybe (Die Welt), Kuschelkohorte (Managermagazin), Me Me Me-Generation (TIME-Magazin) oder „Wollen die noch arbeiten?“ (die ZEIT).

An den hier auszugsweise zitierten Titeln wird ersichtlich, worum es geht. Es geht um Sinnsuche und der Frage des „Warum“. Das Fragewort „Warum“ ist auch für die Zuschreibung des Buchstabends Y zuständig, da dieser im Englischen als „why“ ausgesprochen wird.  Durch dieses ständige Infrage-Stellen ecken wir natürlich auch öfters mal an. Hinzukommen negative Zuschreibungen wie „wir wollen nur noch Spaß haben und gar nicht mehr arbeiten“ oder „wir wollen Karriere machen aber ohne Führungsverantwortung“. Fertig ist der Stempel, der uns als eine negative und unbrauchbare Generation anerkennt.

Ist an uns, der Generation Y, denn alles falsch?

Auf keinen Fall! Aus meiner Sicht sollte das Augenmerk viel eher auf unsere positiven Eigenschaften gerichtet werden, denn in uns stecken definitiv Potentiale, die zu einer neuen (verbesserten) Arbeitswelt beitragen, die in Zukunft auch dringend nötig ist. Unternehmen stehen schon heute stark unter Druck. Dieser entsteht sowohl innerhalb der Unternehmen, aber auch aufgrund der wachsenden Marktdynamik, die von außen auf Unternehmen einwirkt. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden in den nächsten 15 Jahren die Babyboomer in Rente gehen und im Verhältnis werden nur noch wenige der Generation Y nachkommen. Vorausrechnungen prognostizieren, dass wir schätzungsweise im Jahr 2030, Millionen von Arbeitsplätzen nicht besetzt bekommen. Eine Machtverschiebung – weg vom Arbeitgeber, hin zum Arbeitnehmer – ist die Folge.

Das sind doch gute Nachrichten: Wir müssten uns zukünftig also nicht mehr für Unternehmen attraktiv machen, sondern andersherum. Jedoch ist der derzeit eingeschlagene Weg, auf dem wir analysiert und hieraus Maßnahmen zur Steigerung der Unternehmensattraktivität abgeleitet werden, in meinen Augen der Falsche. Es sollte eher der Versuch unternommen werden, zu verstehen, warum wir so ticken, wie wir ticken.

So tickt die Generation Y – endlich verständlich

An dieser Stelle möchte ich auf drei zentrale Hintergründe verweisen, die zu einem besseren Verständnis unsererseits beitragen können. Zum einen sind wir in einer Zeit des materiellen Wohlstandes ohne große Geldsorgen aufgewachsen. Somit hat Besitztum für uns eine geringere Wertigkeit. Wir wollen nicht erst jahrelang hart arbeiten, um uns dann irgendwann mal ein Auto oder ein Haus kaufen zu können. Wir möchten die Dinge jetzt nutzen und moderne Sharing-Optionen machen diesen Luxus auch möglich. Wenn wir Zugang zu allem haben, warum sollen wir es dann noch besitzen? Teilen ist das neue Haben – und das hat auch einen Einfluss auf die Arbeitswelt.

Zum anderen sind wir die erste Generation, die neben der analogen Welt gleichzeitig in der digitalen Welt aufgewachsen ist. Und wer Lust hat, baut sich heute viel schneller eine Expertise auf, ob durch Webinare oder die Erstellung eines eigenen Blogs. Durch unsere Social-Media-Accounts lernen wir außerdem schon früh, uns richtig zu verkaufen.

Zu guter Letzt hatten wir Eltern, die uns fortwährend bestärkt sowie dazu animiert haben, das zu machen, auf was wir Lust haben. Selbstverständlich hat dieser Rückhalt ebenfalls einen Einfluss auf unsere Sichtweise der Arbeitswelt. Zusammengefasst sind wir somit eine Generation bestehend aus Netzwerkbewohnern mit Helikoptereltern, aufgewachsen im materiellen Wohlstand.

Aus diesen Gründen lassen wir uns nicht mehr nur über teure Dienstwagen oder Bonitätsmodelle für eine Aufgabe locken, die uns im Kern keinen Spaß machen. Wir haben heute keine Lust mehr in einer fremdbestimmten Arbeitswelt zu leben. Für uns ist Arbeitszeit gleichzeitig Lebenszeit. Auf diese wollen wir nicht bis 17.00 Uhr warten. Für uns stehen die immateriellen Statussymbole wie Weiterentwicklung, Selbstbestimmung, Sinnhaftigkeit in unserem Tun und Gestaltungsfreiheit im Fokus. Ja, wir wollen Spaß bei der Arbeit. Warum soll ich mich fünf Tage die Woche acht Stunden am Tag zur gleichen Zeit täglich in das gleiche Büro setzten, wenn doch meine kreative Phase außerhalb der normalen Bürozeiten liegt und ich eventuell intensiver von zuhause aus arbeiten kann?

Unsere Eltern haben uns in alle Entscheidungen mit einbezogen und uns demografisch-sozial erzogen. Ebenfalls wurden wir von unseren Dozenten zum Mitdenken aufgefordert. Wenn wir der Führungskraft ein Feedback auf Augenhöhe geben, dann ist das nicht als böse Absicht zu werten, sondern ein selbstverständliches Miteinander. Des Weiteren nutzen wir heute nur noch digitale Tools – es macht uns demnach wenig Freude, wenn wir auf der Arbeit plötzlich auf alte verstaubte analoge Kateikarten zurückgreifen müssen. 

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Stephanie Reichelt
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Über den Autor

Stephanie schreibt aktuell ihre Masterarbeit bei Freelance Junior. Diese befasst sich mit der neuen Arbeitswelt (New Work). Neben dem Studium und dem Engagement für Freelance Junior ist Stephanie selbstständig im Bereich Sales Management und Vertrieb tätig.

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