Studentenleben

Studium nach der Ausbildung

Martin Seubert · E-Commerce
Juni 2016

Die deutsche Ausbildungslandschaft hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Mit mittlerweile über 350 verschiedenen Ausbildungsberufen und einer stark wachsenden Nachfrage nach Auszubildenden seitens der Unternehmen ist die klassische Ausbildung zu einer attraktiven Option nach der Schule geworden.

Heutzutage ist es längst nicht mehr unüblich, auch nach bestandenem Abitur den Weg einer betrieblichen Lehre einzuschlagen und das Studium erstmal aufzuschieben oder ganz unter den Tisch fallen zu lassen. Viele Arbeitgeber begrüßen diese Entscheidung sogar und setzen auf die praxisnahen Erfahrungen, die während einer Ausbildung gesammelt werden.

Auch ich habe mich daher für eine betriebliche Ausbildung zum Industriekaufmann direkt nach meiner allgemeinen Hochschulreife entschieden und möchte euch hier ein paar kleine Erfahrungen, Tipps und Hinweise mit auf den Weg geben, solltet ihr auch mit diesem Gedanken spielen.

Bevor es losgeht

Der frühe Vogel fängt den Wurm! Fangt nicht erst nach den letzten Abiturprüfungen an, nach einem geeigneten Ausbildungsplatz Ausschau zu halten, sondern recherchiert die Bewerbungszeiträume der Unternehmen und bewerbt euch dementsprechend auch rechtzeitig. Bitte reizt diese Frist auch nicht bis auf den letzten Tag aus – das macht nicht den besten Eindruck.

Unverzichtbar ist außerdem eine vollständige Bewerbung in ansprechender Form und souveränes Auftreten in darauffolgenden Bewerbungsgesprächen.

Vorteile der Ausbildung vor dem Studium

Eine Ausbildung ist verbunden mit einem geregelten Tagesablauf, festen Unterrichts- und Arbeitszeiten. Die hier geforderte Selbstdisziplin hilft dir im Studium weiter, einen geregelten Tagesablauf auf die Beine zu stellen und einen effizienten Rhythmus zu finden.

Während deiner Arbeitszeit erwirbst du ganz automatisch Soft Skills in Gesprächen mit Mitarbeitern oder Kunden, die dir keine Fortbildung der Welt auf diese Weise vermitteln könnte. Diese sozialen Kompetenzen sind auch essentiell in deinem Studium und lassen dich selbstbewusster wirken. Unter anderem wird dir der Anschluss an Gruppen und der Umgang mit Kommilitonen so leichter fallen.

Der gleiche Fachbereich von Ausbildung und Studium vorausgesetzt, vermittelt dir die Lehre praxisnahe Erfahrung mit dem Kerngeschäft der Branche. Heutige Studiengänge versuchen zwar diesen Erfahrungsmangel zu kompensieren und dir Einblicke in Unternehmen und den Arbeitsalltag zu gewähren, stoßen hierbei aber aufgrund der verkürzten Studienzeiten durch Bologna schnell an ihre Grenzen. Studierende ohne Ausbildung müssen sich initiativ um praktische Erfahrung durch Praktika, der Anstellung als Werkstudent oder einer freiberuflichen Tätigkeit kümmern. Die Kombination von Praxis der Ausbildung und Theorie des Studiums wird dich zu einem echten Experten in deinem Fach machen.

Zusätzlich wirst du neben deiner wöchentlichen Zeit in deinem Ausbildungsbetrieb auch Tage in der Berufsschule verbringen. Diese wird dich nach deiner Hochschulreife zwar eher semi-intensiv fordern, gibt dir aber genau die Grundlagen mit auf den Weg, an denen so mancher Erstsemester schon scheitert, weil diese Grundlagen im Gymnasium oder der Fachhochschule zu keiner Zeit thematisiert werden.

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Der Schritt zum Studium

Den erlernten Beruf letztendlich doch zu verlassen und ein Studium zu beginnen, ist keine leichte Entscheidung. Solltest du diesen Schritt trotzdem wagen, um einen Mehrwert aus deinem Abitur zu ziehen, musst du ein paar Dinge beachten.

Spiele von Anfang an mit offenen Karten und kläre deinen Arbeitgeber zeitnah über deine Entscheidung auf. Er hat die letzten Jahre in deine Ausbildung investiert und dich vielleicht schon fest in die Unternehmenszukunft eingeplant. Ein ebenbürtiger Ersatz für dich lässt sich nicht innerhalb von ein paar Tagen finden, sondern erfordert Zeit und Planung. Eine offene Herangehensweise wird dein Chef zu schätzen wissen und dich bei deinem Vorhaben sicher unterstützen. Viele Studiengänge beinhalten ein Praxissemester in einem Unternehmen, welches du vielleicht in deinem alten Betrieb machen kannst. Bleibe daher in deinen letzten Wochen weiterhin professionell und halte wenn möglich auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses weiter Kontakt zu deinem Ausbildungsbetrieb und deinen ehemaligen Mitarbeitern.

Während des Studiums 

Solltest du dich nun in der glücklichen Lage befinden, deinen gewünschten Studienplatz ergattert zu haben, dann scheue dich nicht davor, Profit aus deiner vorangegangenen Ausbildung zu ziehen und deine Erfahrung in Projekte einzubringen. Den fachlichen Vorsprung zu deinen Kommilitonen hast du dir hart erarbeitet und letztendlich auch verdient.

Alle deine Dozenten werden behaupten, dein Studium ist mit einem Vollzeitjob gleichzusetzen und erfordert mindestens den gleichen Aufwand. Aber seien wir doch mal ehrlich – vor allem in den ersten Semestern wirst du ungewohnt viel Freizeit haben und dich gegebenenfalls auch mal unterfordert oder unausgelastet fühlen. Um das zu kompensieren, kannst du dir immer noch einen Nebenjob suchen oder als Freelancer arbeiten. Deine Ausbildung im Lebenslauf wird dir bestimmt den einen oder anderen Auftrag mehr verschaffen.

Die eigenen Interessen

In den letzten Wochen des Abiturs wird man mit Unmengen an Informationsmaterial über die Möglichkeiten der Weiterbildung, im Besonderen durch ein Studium nach Abschluss der Prüfungen, überhäuft, die leicht die eigenen Interessen überschatten können. Dabei sollte eigentlich an erster Stelle stehen, seine eigenen Wünsche zu fördern, egal ob mit Ausbildung, Studium oder einem Auslandsaufenthalt. Jeder muss für sich selbst entscheiden dürfen, was den eigenen Vorstellungen am besten entspricht.

Letzten Endes habe ich persönlich die Entscheidung, eine Ausbildung vor meinem Studium zu machen, nie bereut. Ich hatte Zeit, mich selbst zu finden und wichtige Erfahrungen zu sammeln, die ich heute unter keinen Umständen mehr missen möchte.


Martin Seubert
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Über Martin

Hat nach vier Jahren Ausbildung und Arbeit den Schritt von der festen Vollzeitstelle hin zum Studium gewagt und teilt jetzt diese Erfahrung in seinen Artikeln. Martin schreibt über alltägliche Dinge aus dem Leben eines Studenten, zu bewältigende Herausforderungen und was es heißt, neben seinem Studium zusätzlich freiberuflich zu arbeiten.

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