Tipps für Freelancer

Tipps für eine erfolgreiche Recherche – so gelingt dein nächster journalistischer Beitrag

Klara Hofmann · Sozial- und Organisationspädagogik
März 2020

Ob rechercher (frz.) oder research (eng.) - gemeint ist die gezielte Suche nach Informationen. Egal, in welchem Bereich man arbeitet oder studiert: Die Recherche gehört dazu. Mal dient das Nachforschen von Zusammenhängen zum grundlegenden Verstehen, mal ergibt die Recherche selbst den Grundstein für weiterführenden Input für das Ergebnis.

In einer Zeit, in der unglaublich viel Wissen (und genauso viel Müll getarnt als vermeintliches Wissen) im Umlauf und dank des Internets rund um die Uhr verfügbar ist, ist die richtige Herangehensweise besonders wichtig.

Unterschiedliche Tätigkeiten bedürfen unterschiedliche Arten von Recherche. Im Folgenden stelle ich euch einige Methoden vor, die sich besonders gut auf Recherche im journalistischen Bereich anwenden lassen.

Themenumfang – recherchier nicht alles, sondern das Wesentliche

Bevor du mit Vollgas in die eigentliche Recherche starten kannst, ist es wichtig zu wissen, was genau das Thema des Beitrags sein soll. Wenn du eine*n Auftraggeber*in hast, solltest du mit ihr*ihm besprechen, wie weit oder eng das Thema behandelt werden soll. Dementsprechend eng- oder weitläufig kann die Recherche aussehen. Wenn du das Thema selbst vorschlägst oder als Initiativbeitrag produzierst, solltest du dir vor Beginn Gedanken darüber machen, welche Teilbereiche für deinen Beitrag relevant sein können. Dabei gilt: Zu eng gegriffen gibt es fast nicht! Es kommt immer auf das Format an, aber in der Regel stößt ein gut recherchierter, aber spezifischer Beitrag auf bessere Resonanz, als ein weitläufiger, unbestimmter Artikel, bei dem selbst nach dem Lesen noch einige Fragen ungeklärt sind.

Nicht nur thematisch sollte der Umfang klar sein. Folgende zwei Faktoren sind nicht zu vernachlässigen: zeitliche Kapazität und Raum für die Veröffentlichung. Sprich: a) Wie viel Zeit kannst du als Journalist*in investieren? Ist es ein Projekt über einen längeren Zeitraum oder eine einmalige Produktion? Und b) Wo und in welcher Größe wird veröffentlicht? Handelt es sich um einen 10-Zeiler oder doch einen umfangreichen Text, der unter Umständen sogar als Titelgeschichte über mehrere Seiten hinweg, eingesetzt wird?

Strukturskizze – so behältst du den Überblick beim Recherchieren

Damit im Vorfeld alles zu Form, groben Themenbereichen und Umfang geklärt ist, hilft dir eine Strukturskizze. Darin sollte sich die (Überraschung) ungefähre Struktur des Beitrags wiederfinden. Sie dient dir zur Orientierung während der Recherche, aber auch deinem*deiner Auftraggeber*in, um schon im Voraus zu sehen, welche Themenbereiche abgedeckt werden. Außerdem ist es immer hilfreich, in der Skizze einen Zeitplan einzubauen, an dem du dich orientieren kannst. Das hilft dir dabei, weder in Prokrastination noch in komplette Panik zu verfallen.

Die vier wichtigsten Recherche-Kanäle

Jetzt endlich zur eigentlichen Recherche! Denn erst ein fundiertes Hintergrundwissen befähigt dich dazu, Sachverhalte in den richtigen Kontext einzuordnen – und dieses gewinnst du nun mal erst, indem du sorgfältige Nachforschungen anstellst. Doch wo fängst du hierbei an? Es gibt verschiedene Kanäle, durch die Wissen angeeignet und ggfs. Meinungen gesammelt werden können. Die vier wichtigsten möchte ich an dieser Stelle vorstellen.

Literatur-Recherche

Die Literatur-Recherche ist der Klassiker. Inzwischen geht zwar immer mehr über das Internet, aber das gute alte Buch oder die gute alte Fachzeitschrift ersetzt es nicht komplett. In vielen Fällen reicht es schon, zu Anfang ein Buch oder eine Fachzeitschrift zu haben, aus dem bzw. aus der man wiederum viele Quellen im Literaturverzeichnis für sich nutzen kann. Damit sparst du dir nicht nur die thematische Suche im Meer der Fachbücher, sondern hast auch gleich wissenschaftlich anerkannte Referenzen, die im besten Fall auch wieder auf andere Veröffentlichungen hinweisen, die du wiederum in deine Recherche mit einbeziehen kannst. Und so weiter und sofort.

Als Student*in hast du durch die Bibliothek deiner Uni in der Regel einen unerschöpflichen Zugang zu Literatur. In vielen Fällen (nicht allen!) sind die Universitätsbibliotheken auch für Nicht-Studierende offen und man kann dort Literatur einsehen. Ausleihen darf man sie allerdings nur mit Studierendenausweis. Ansonsten gibt es Stadtbibliotheken und teilweise relevante Archive. Ebenso sind Behörden und Ämter teilweise bereit, Material zur Verfügung zu stellen. Im Einzelfall am besten einfach nachfragen. Sind wir ehrlich – das schlimmste, was passieren kann, ist eine Absage. Die meisten Institutionen sind allerdings viel kooperativer, als man vielleicht im ersten Moment denkt! Wenn man schon im Voraus einen kleinen Abriss macht und erklärt, in welchem Bereich man recherchiert, wird man oft mit offeneren Armen “empfangen”. Diese Taktik ist auf jeden Fall vielversprechender als stumpf nach Informationen zu fragen. 

→ Bibliotheken, Archive, Fachzeitschriften und -literatur zum Thema

Internet-Recherche

Die Internet-Recherche ist die weitläufigste und ergiebigste. Hier sind die Möglichkeiten quasi unendlich, Informationen zu sammeln. Dabei gibt es allerdings auch viel unseriöse Quellen (= Mist). Deshalb ist es hierbei umso wichtiger, sich immer wieder den Fokus und den Rahmen der Themenbereiche in Erinnerung zu rufen. Wir kennen es alle: Man startet mit einem gezielt gesuchten Video und schneller als man denken kann, schaut man sich süße Katzenvideos auf YouTube an. We’ve all been there!

Es ist besonders wichtig, sich stets über die Quelle und den Herausgeber im Klaren zu sein. Will ich einen wissenschaftlich korrekten Beitrag liefern, sollte meine Quelle z. B. nicht unbedingt die Internetseite eines Boulevard-Magazins sein. Umgekehrt ist es ein bisschen anders: Will ich einen unterhaltsamen Beitrag produzieren, kann ich die (validen!) Informationen einer wissenschaftlichen Quelle locker einfließen lassen, ohne dass sie trocken und monoton wirken. 

→ google scholar, relevante wissenschaftliche Artikel und Veröffentlichungen (evtl. auch Statistiken von Behörden, Ämtern), andere journalistische Ergebnisse zum Thema, YouTube-Videos, Podcasts für neue Denkanstöße)

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Real-life-Recherche

Mein Favorit unter den Recherchen: Im echten Leben recherchieren. Dabei eingeschlossen sind eigene Erfahrung, Gespräche mit Menschen aus dem eigenen Umfeld, Erfahrungswerte von Betroffenen/ für den Beitrag relevanten Personen, eigene Beobachtungen wie Werbung, andere Beiträge im Radio, TV, Zeitung und so weiter. Spricht man mit seinem Umfeld und Begegnungen über das, was einen gerade beschäftigt, hat man oft Gespräche, die viel mehr ergeben, als man im ersten Moment gedacht hätte! Das heißt nicht immer informativ-hochwertigen Input für einen Beitrag, aber vielleicht neue Sichtweisen, Ansätze oder Fragen, die aufkommen. Vielleicht kennt jemand, jemanden, der jemanden kennt…?

→ Mit dem Umfeld sprechen, Augen offen halten, Veranstaltungen, Plakate, Ereignisse, eigene Beobachtungen)

Informationen aus erster Hand

Je nach Thematik können die Informationen aus erster Hand auch eine sehr wertvolle und hilfreiche Quelle sein! Sie gehören quasi unter den Punkt “Real-life-Recherche”, sollten aber noch mal gesondert Gehör finden. Die Informationen, die dir Betroffene im direkten Gespräch geben, oder Beobachtungen, die du während eines Besuchs der Person machst, sind Gold wert. Oft sprechen Taten viel mehr als Worte und man kann anhand eines Treffens noch viel mehr über eine Person und eine Tatsache herausfinden. Wenn ein Beitrag eher sachlich und informativ gehalten sein sollte, kein Problem: Auch Informationen aus “erster Hand” einer Behörde oder eines Amts sind sehr hilfreich und meistens sind die Pressesprecher oder andere Kontaktpersonen auch bereit, zumindest über schriftlichen Kontakt, ein paar Fragen zu beantworten.

→ Gespräche, Interviews, Besuche, Fragenkataloge per E-Mail verschicken (an Menschen, die betroffen sind und/oder, die in Literatur oder anderen Medien bis dahin aufgetaucht sind)

Die Mischung macht‘s

Um ein Meisterwerk zu kreieren ist keine dieser Recherche-Arten ohne die anderen zu betrachten. Das heißt, eine gute Literatur-Recherche ersetzt in den meisten Fällen keine Recherche im echten Leben. Und andersrum. Ein Beitrag lebt von den Einflüssen verschiedener Perspektiven und vor allem von einer*m Autor*in, der*die sich trotz Informationsflut nicht verleiten lässt, über alles zu schreiben. Begrenzung ist das Stichwort.

Wer dem*r Leser*in etwas an die Hand gibt, das (dem Format entsprechend) angenehm zu konsumieren ist, hat gute Arbeit geleistet. Sprich: Nach dem Lesen sollte Niemand verwirrter sein als vorher.

Um den richtigen Ton für die Plattform der Veröffentlichung zu treffen, ist es auch immer hilfreich, im Voraus ein paar bereits veröffentlichte Beiträge zu lesen. Der Kenntnisstand der Zielgruppe spielt eine genauso große Rolle und hat großen Einfluss darauf, wie viel Hintergrundinformationen schon bekannt sein dürften und wie viele Zusammenhänge in deinem Beitrag miteinbezogen und eventuell erklärt werden sollten. Hier gilt es also, sich vorab zumindest einen groben Eindruck darüber zu verschaffen, wie du die Verbindung zwischen Konsumenten und Inhalt am besten angehst.

Wenn du dir unsicher bist, wie das konkret aussieht, hab keine Scheu, den Auftraggebenden zu fragen! Es ist immer im Interesse beider Seiten, am Ende ein Ergebnis zu haben, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind. Alternativ dazu kann man auch in der Regel auch immer ein Feedback zum Zwischenstand abholen - das hängt von Auftraggeber*in und vor allem dem zeitlichen Rahmen ab.

Input-Sammlung – bring Ordnung in deine Recherche

Alles relevante erforscht? Informationen gehäuft? Perfekt! Übersichtlich wird es in einer Art Input-Sammlung, in der du für dich selbst Kategorien für die gesammelten Informationen erstellst. Es gibt viele Dopplungen? Umso besser. Das ist nichts schlechtes, sondern unterstützt im besten Fall nur die Relevanz dieses Aspekts. Allerdings solltest du darauf achten, dass sich diese Dopplungen im Beitrag später nicht doppelt wiederfinden.

Mindestens genauso wichtig ist es, dass du auch für schwierigere Sachverhalte eigene Worte findest. Diese „neuen“ Formulierungen sollten ebenfalls in deiner Input-Sammlung Platz finden. Sollte ein Umformulieren nicht möglich sein, oder möchtest du gerne ein Zitat verwenden, muss dieses offensichtlich und sorgfältig mit Quelle angegeben sein. Sonst kann es Probleme geben.

Alles klar? Versteht man mich?

Damit sich Dopplungen (weder formal noch inhaltlich) und Kopien des Wortlauts anderer Personen nicht in die finale Version deines Beitrags einschleichen, ist es immer gut, eine andere Person über deine Input-Sammlung gucken zu lassen.

Vielleicht bist du dir an der ein oder anderen Stelle selbst noch nicht ganz sicher? In diesem Fall kannst und solltest du natürlich auch im Nachgang der eigentlichen Recherche immer wieder bei Experten oder Gesprächspartnern nachhaken. Viel besser, als wichtige und relevante Dinge auszulassen, ist die erneute Recherche! Im Fluss eines Interviews vergisst man unter Umständen Punkte, auf die man näher eingehen wollte. Gerade zu Anfang ist es völlig normal, nach dem eigentlichen Gespräch Rückfragen zu stellen. Ein Zeichen von sorgfältiger Recherche stößt selten auf großen Gegenwind.

Schreiben – die Recherche soll ja nicht umsonst gewesen sein

Wenn du die Recherche hinter dir hast, geht es ans Schreiben. Dafür hast du dir schließlich all die Arbeit gemacht. Über das Schreiben selbst gibt es natürlich mindestens noch einmal so viel zu schreiben wie über das Recherchieren – glücklicherweise wurde dies in diesem Artikel von Theresa schon ausgiebig und toll gemacht.

An dieser Stelle also nur kurz ein Aspekt, den ich für besonders wichtig halte: Es kann passieren, dass einzelne Aspekte wichtiger oder weniger wichtig erscheinen als vorher vermutet. Darauf flexibel zu reagieren und den Dingen, die im Endeffekt relevant sind, Platz zu geben, bereichert deinen Beitrag! Die Gewichtung einzelner Punkte in deiner zuvor erstellten Input-Sammlung sollte hier nicht entscheidend sein. Sie hilft dir lediglich dabei, wichtige Punkte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sind eine Stütze, sodass du im Schreibfluss nicht dauerhaft alle Aspekte im Kopf behalten musst.

Wichtig ebenfalls: Lass deinen Text von jemand anderem lesen. Denn das Gegenlesen einer*s Externen hilft, um sicherzustellen, dass das Geschriebene klar und verständlich ist. Nur, weil du deinen Text bestens verstehst, heißt das nicht, dass dies auch für die Leser*innen gilt.

Fazit

Bereit für deinen Beitrag? Hier noch einmal in Stichworten die wichtigsten Punkte, an denen du dich während der Recherche entlang hangeln kannst: Thema abstecken, Umfang einschätzen, Rücksprache halten, Recherche-Kanäle checken, Input-Sammlung erstellen, Unklarheiten beseitigen, Schreiben.

Wie bereits erwähnt, gibt es je nach Plattform Unterschiede in den konkreten Formen einzelner Punkte, also auch keine universell geltende Formel für die perfekte Recherche. Ich hoffe, ich konnte dir trotzdem ein paar Tipps mitgeben!


Klara Hofmann
Sozial- und Organisationspädagogik
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Über Klara

Klara hat sich neben dem Studium der Sozial- und Organisationspädagogik ihren Traum zur Realität gemacht und arbeitet seit einigen Jahren ortsunabhängig. Neben der Anleitung von Bildungsprojekten hat sie eine zweite Leidenschaft: Nach Projektmanagement und Kommunikation im Studentenjob konzentriert sie sich jetzt als Freelancerin auf journalistische Tätigkeiten wie dem freien Schreiben und der Recherche.

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